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SOB 2007

Spiekerooger Ornithologische Berichte

sob2

Quelle: Heft 2 der gedruckten Ausgabe für das Jahr 2007



Einleitung


Nach dem Erscheinen des ersten Heftes kamen in jüngster Zeit doch einige Nachfragen nach Heft 2. Dieses Interesse freut mich natürlich und spornt mich an. Doch noch erfreulicher war für mich, dass ich nun durch SOB 1 auch wie erhofft von verschiedenen Beobachtern Tipps, Daten und auch Photos zugesteckt bekam. Genau das war ja auch ein Ziel gewesen. Dagegen stochere ich immer noch im Dunkeln, was ältere Beobachtungsunterlagen anbelangt. Zum Teil sind die zwar als "unveröffentlicht" in der Literatur aufgeführt, doch der Verbleib ist bisher trotz der Mithilfe einiger Einheimischer noch immer ungeklärt. Ich bleibe aber am Ball. Auskünfte erhielt ich auch durch die Spiekerooger Jägerschaft, die mir Jahresangaben machen konnte über frühere Nistkasten-Aktionen oder gar Aussetzungsversuche von Jagdwild. Auch dafür möchte ich mich bedanken.

Mein Dank aber gilt Herrn Schulze Dieckhoff vom NLWKN Norden, da er für das Heft Zähldaten zur Verfügung stellte, was eine genauere Bearbeitungder einzelnen Arten ermöglichte. Dank auch allen "Vogelzivis" für ihre Mitarbeit mit ihren Möglichkeiten. Florian Schlesiger und Frauke Schonart waren so mutig, das undankbare Korrigieren des gesamten Textes auf sich zu laden, wozu man als Verfasser der Texte kaum in der Lage ist. Frank Schulz (Düsseldorf) gilt mein Dank, dass er mir eine Spiekeroog-Karte anfertigte und zur Verfügung stellte. Mein besonderer Dank gilt aber nochmals Herrn Florian Schlesiger, der sich im Namen des Umweltzentrums „Wittbülten“ bereiterklärte, die Kosten für das Layout zu übernehmen, um mir die Herausgabe zu erleichtern.

Nun hoffe ich abschließend, dass die Mitarbeit für die nächsten Jahre - wie sie auch aussehen mag - noch ausbaubar ist. Ich bin für jede Anregung empfänglich.

E.S. Spiekeroog, April 2008

© Edgar Schonart Spiekeroog 2007

Alle Rechte vorbehalten

 

 

A. Brutvögel


Eine komplette Brutvogelerfassung für die ganze Insel durchzuführen, erwies sich als sehr schwierig. Ich hatte das Glück, dies zusammen mit dem NLWKN zu versuchen. Das bedeutet, für die etwas über 17 km² große Fläche waren wir mindestens zu dritt, um innerhalb der Brutzeit in möglichst sieben Gängen alle Biotope zu erfassen.

Zum Glück konnten wir die langjährige Erfahrung des NLWKN nutzen, der das gesamte Areal in 21 Untergebiete aufgeteilt hatte, so dass wir Karte für Karte bearbeiten konnten. Für die Ostplate müssten allerdings mehr Bearbeiter bereitstehen, zumal brütende Enten oft einfach auf dem Gelege verharren, ohne von uns wahrgenommen zu werden, weil die Vegetation ausreichend Sichtschutz bietet.

Die Kartierung in der Ortschaft und die Bestandsaufnahme der meisten Singvögel führte ich alleine durch, bekam allerdings durch die Vogelzivis und Mitarbeiter diverse Hinweise, denen ich dann gezielt nachgehen konnte. Meine Aufgabe bestand darin, für den Brutvogelatlas Deutschlands das entsprechende Zahlenmaterial zuliefern. Ausgelassen habe ich die Inselhühner (Fasan). Der Bestand ist nicht zu erfassen. Fast jedes Haus hat drumherum Fasanen, was besonders zur Jagdzeit an- zusteigen scheint. Nur grobe Schätzungen habe ich auch für die Ringeltauben, die immer wieder durch Stürme die Brut verlieren und anderenorts wieder neu starten.

Die Erfassung der Singvögel ist auf den Inseln besonders schwierig. Viele Durchzügler ziehen hier noch z.T. in größerer Anzahl durch, während der Brutbestand schon erfasst wird. Das birgt einfach große Gefahren. Deshalb liegen Abweichungen in der Brutpaarzahl zu anderen Ermittlern wie den Vogelzivis vor, weil ich verschiedene Situationen anders interpretierte.- Obendrein ist die Gesangsaktivität auf den Inseln offenbar geringer. Ob es daran liegt, dass durch den Grundpegel der rufenden Seevögel der Sinn der akustischen Revieranzeige sinnlos wurde, oder ob andere Gründe dazu führten, vermag ich nicht zu sagen. Singende Rohrsänger kenne ich nur aus der Zeit der Ankunft im Brutrevier. Nach wenigen Tagen aber bleiben sie stumm. Und das ist nicht anders bei Rotkehlchen u.a. Die Amsel ist überhaupt erst spät und sehr rar zu vernehmen. Auf jeden Fall liegt hiermit erstmals eine auch quantitative Brutvogelerfassung vor, die sicherlich in kommenden Jahren noch verfeinert werden muss. Bedanken möchte ich mich beim ganzen Team, welches namentlich anderenorts bereits genannt wurde, aber auch bei den Spiekeroogern, die mir Einblick oder Auskünfte in verschieden Räume gab, in denen Nester waren. Für einige Arten liegen die Angaben auch für das Vorjahr vor, wobei es sich nur um die Arten handelt, die in geringer Zahl brüteten. 2006 habe ich nochkeine Brutvogelerfassung durchgeführt.


Auf genauere Angaben über die Brutplätze soll in diesem Jahr noch verzichtet werden, um mögliche Störungen bei attraktiven Arten während der Brutzeit zu vermeiden. 2007 ist z. B. die Brut der Zwergseeschwalbe vermutlich durch einen Photographen vernichtet worden. Es führten Fußabdrücke gezielt zu der nur aus 3 Paaren bestehen-den Kolonie in der streng geschützten Ruhezone.

Brutpaare

Löffler
29
Feldlerche
100
Graugans
30
Rauchschwalbe
19
Brandgans
130
Mehlschwalbe
12
Stockente
70
Bachstelze
31
Eiderente
125
Wiesenpieper
130
Rohrweihe
6-7
Zaunkönig
29
Kornweihe
5
Heckenbraunelle
19
Sperber
1
Amsel
52
Mäusebussard
1
Singdrossel
16
Turmfalke
4-5
Feldschwirl
5
Wachtel
1
Schilfrohrsänger
1-2
Fasan
viele
Teichrohrsänger
7
Wasserralle
2
Sumpfrohrsänger
2
Teichhuhn
4
Gelbspötter
9
Austernfischer
800
Fitis
74
Säbelschnäbler
25
Zilpzalp
9
Kiebitz
50
Mönchsgrasmücke
7
Sandregenpfeifer
4
Dorngrasmücke
49
Waldschnepfe
3
Klappergrasmücke
14
Uferschnepfe
12
Grauschnäpper
4
Gr. Brachvogel
11
Rotkehlchen
2
Rotschenkel
170
Steinschmätzer
2
Sturmmöwe
450
Schwanzmeise
1-2
Silbermöwe
2000
Kohlmeise
39
Heringsmöwe
9000
Blaumeise
15
Lachmöwe
200
Elster
19
Schwarzkopfmöwe
1
Dohle
39
Flussseeschwalbe
15
Rabenkrähe
25
Küstenseeschwalbe
13
Star
37
Zwergseeschwalbe
3
Haussperling
57
Hohltaube
35
Buchfink
22
Ringeltaube
250
Grünfink
4
Waldohreule
3
Stieglitz
1 ?
Sumpfohreule
10
Bluthänfling
34
    Rohrammer
15

 


B. Gastvögel


Auch in diesem Jahr werden hier nur ausgefallenere Gastvogelarten oder Beobachtungsumstände genannt. Dennoch ist es möglich, schon sehr viel mehr Aussagen über die hiesige Vogelwelt zu machen, wobei die Tabellen eine große Hilfe sind. Beobachtet wurde 2007 nahezu täglich, d.h. an 323 Tagen.

Ein verstärktes Gewicht wurde in diesem Jahr auf „Seawatching“ gelegt. Wenn es irgendwie möglich war, habe ich früh morgens meist 1 ½ Stunden von der Aussichtsplattform etwas nördlich des Ev. Jugendhofs aus mit einem Spektiv (Zeiss Diascope 85 T FL) auf das Meer geblickt und die Seevögel registriert, die vor dem Strand entlangflogen. Im Sommer-Halbjahr
erschienen die Stunden bis 9 h, im Winter bis maximal 11 h als günstig. Danach wurde es–abgesehen von ausgesprochen starken Zugtagen- wesentlich ruhiger. Bei stärkerem Regen,Nebel und ungünstigen Stürmen konnte ich nicht beobachten. Besonders letzteres erweist sich auf Spiekeroog als sehr ungünstig, da es keine Windschattenseiten gibt. Obendrein fliegt einem der feine Sand in die Augen. Eine Regenschutzvorrichtung gibt es nicht.- Genaue Angaben über die Entfernung der jeweiligen Seevögel sind mir nur unzureichend möglich. Es gibt eine Seetonne in 2 ½ km Entfernung (laut Seekarte) und dann wieder die Schiffahrtsstrasse in 8 km. Das Meer selbst ist, je nach Tidenstand, knapp 1 km vom Ausguck entfernt.- Eine besonders gute Hilfe beim Seawatching war die Anwesenheit der „Wangerooger“ (Benjamin Steffen und Jochen Dierschke), mit denen ich über Handy jederzeit in Verbindung treten konnte, um abzusprechen, dass „gleich“ ein bestimmter Vogel oder Trupp vorbeikommen müsste. Das war besonders dann hilfreich, wenn ein angekündigter Vogel oder Trupp die Entfernung zu der jeweiligen Insel stark verändert hatte. -Als Nebenerscheinung dieser Beobachtungsserie hatte ich dabei häufiger das Glück, auch Schweinswale (Phocoena phocoena) zu sehen, die meist nur kurz unweit des Strandes mit der Rückenflosse und dem Rücken sichtbar wurden.

Doch auch die Informationen über aktuelle Beobachtungen seltenerer Vogelarten über „Club 300“ (www.club300.de) waren hilfreich. Über diese Quelle waren Meldungen abzufragen, die im Küstenbereich oftmals identisch waren. Meine eigenen Angaben dort hatten zur Folge, dass ich mehrere Anfragen von Beobachtern bekam, die erstmals die Insel besuchen wollten, um hier für einige Tage zu beobachten, wobei ich mich immer gerne bereiterklärte, gemeinsame Aktivitäten anzubieten, so es meine Zeit zuließ oder zumindest Tipps zu geben für interessante Beobachtungspunkte und –zeiten.

Erfreulicherweise hatte ich in diesem Jahr sehr viel mehr Kontakte zu interessierten Inselgästen, die mir ihre Daten auf Anfrage zur Verfügung stellten. Genau aus dem Grunde gab ich ja im letzten Jahr erstmals SOB heraus. Ich gehe davon aus, dass dieses Ziel auch weiterhin eine positive Entwicklung nimmt. Auf Wunsch kann ich dafür auch Adressen günstiger Unterbringungsmöglichkeiten vorschlagen, die besonders außerhalb der Hauptschulferienzeiten Chancen auf freie Betten bieten.

Bedanken möchte ich mich in alphabetischer Reihenfolge bei folgenden diesjährigen Gästen für die Überlassung ihrer Daten, die mir als sicher erschienen: Heribert Baur, Rottenburg/Neckar), Jochen Dierschke (Wilhelmshaven), Swaantje Fock (Spiekeroog, Umwelt-zentrum), Florian Fumy (Vogelzivi), Jens Husmann (Vogelzivi), Steffen Kämpfer (Vogelzivi), Rudolf Kratzer (Tübingen), Lennart Lagmöller (Bünde), Tim Poeschel (Vogelzivi); Tim Brunzendorf (Vogelzivi), Walter Schiermeyer (Melle), Florian Schlesiger (Spiekeroog, Umweltzentrum), Bernd Treffler (Rottenburg/Neckar), Stefan Wagner (Marburg), Birte und Jan Weinbecker (Wilhelmshaven). Ferner danke ich Gerd Eilts (NLWKN;Spiekeroog) für Hilfestellungen bei lokalen Fragen, Meertinus Meijering für verschiedene Auskünfte zu früheren Jahren, Martin Gottschling (Helgoland) für die Klärung diverser Fragen; Martin Schulze Dieckhoff (NLWKN, Norden) für die Überlassung der Kormoran-Daten, Peter Südbeck (Nationalparkverwaltung; Wilhelmshaven) für die erste Blaumerlen-Beobachtung, und last not least Benjamin Steffen (Wangerooge/Oldenburg) für die gute Zusammenarbeit von Insel zu Insel beim Seawatchen.

Folgende Abkürzungen wurden im Text verwendet:

EB = Erstbeobachtung immat. = unausgefärbt
LB = Letztbeobachtung dj. = diesjährig
Ex. = Exemplare

B.S. = Benjamin Steffen
B.W = Birte Weinbecker
E.S. = Edgar Schonart
J.D. = Jochen Dierschke
J.W. = Jan Weinbecker


Literatur


  1. Großkopf, G., 1968: Die Vögel der Insel Wangerooge, C.L.Mettcker, Jever

  2. Die Vogelwelt von Wangerooge, Heinz Holzberg Verlag, Oldenburg 1989

  3. Leege, Otto, 1905: Die Vögel der friesischen Inseln Fauna Verlag, Nottuln 2007 (Reprint)

  4. Meyer-Deepen,J. &P.D.Meijering,1979:Spiekeroog,Naturkunde einer ostfriesischen Insel, Verlag KV Nordseebad Spiekeroog

  5. Major,G. & G,Nanninga,1975: Blaumerle (Monticola solitarius), Linne 1758, als Irrgast auf der Norseeinsel Spiekeroog, Mitteilungsblatt der OAO

  6. OVO: Vogelkundliche Jahresberichte aus Ostfriesland 2000-2002

  7. Plaisier, F., 1983: Die Vögel Langeoogs - Untersuchungen zur Avifauna einer küstennahen Düneninsel. Drosera `83:21-48

  8. Röller,O & F.Schlesiger, 2005. Blühende Wildnis Spiekeroog, Verlag Hermann Lietz-Schule Spiekeroog

  9. Schopf, R., 1979: Die Vogelinsel Memmert im Wattenmeer, H.Soltau Norden

10. Südbeck,P. e.a., 2005: Methodenstandarts zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands, Mugler Druck-Service, Hohenstein-Ernstthal

11. Temme, M., 1995: Die Vögel der Insel Norderney, Verein Jordsand e.V.