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PostHeaderIconSOB 2009

SOB 2009

Spiekerooger Ornithologische Berichte

sob4

Quelle: Heft 4 der gedruckten Ausgabe für das Jahr 2009


Einleitung

Obwohl dieses bereits Heft 4 darstellt, ist die Arbeit an Jahresberichten keineswegs zur Routine geworden. So gab es 2009 eine Reihe von Absonderlichkeiten sowohl bei den Brutvögeln als auch bei den Zugvögeln. Erst die nächsten Jahre werden hoffentlich etwas Aufschluss über die Gründe zulassen. Erfreulich ist das ansteigende Interesse an den Berichten, wobei durchaus, wenn auch seltener, auf die Berichte der Vorjahre zurückgegriffen wurde. Das macht die Hefte kostengünstiger. Da der Umfang und die Anzahl der verwendeten Photos zunahmen, wird das Heft 2009 teurer werden, wofür ich um Verständnis bitte. Die Anzahl der Beobachter, die mir ihre Daten zukommen lasssen, ist ansteigend. Ob das vielleicht sogar eine Folge von SOB ist, kann ich nicht beurteilen. Wichtig ist ja auch nur, dass es so ist. Viele der aufgeführten Beobachtungen gäbe es sonst gar nicht. All den Beobachtern möchte ich natürlich wieder danken. Vergeblich träume ich allerdings noch von einem Mitarbeiter vor Ort. Mein besonderer Dank gilt natürlich wieder Herrn Martin Schulze-Dieckhoff vom NLWKN für die Überlassung verschiedener Daten, die zur Auswertung diverser Vogelarten führen konnte. Herr Josef Gulden übernahm wieder die Anfertigung des Layouts. Sein Einstieg im letzten Jahr war ein wahrer Gewinn für das Aussehen des Heftes. Ehe es dazu kam, erbarmte sich wieder Frauke Schonart der Korrekturlesung. Die Schimpfe für die Erwähnung nehme ich gerne wieder entgegen, da ich weiß, dass man das nicht bewältigt wie eine Zeitung am Frühstückstisch.

Spiekeroog, Februar 2010 E.S.


Die Lappentaucher Podicipedidae auf Spiekeroog

Lappentaucher sind um Spiekeroog vor allem auf dem Zuge nördlich vor der Insel vorbeifliegend zu beobachten. Meyer-Deepen/Meijering (1979) führen den Hauben- und Zwergtaucher als häufigen, den Rothalstaucher als seltenen Durchzügler und den Ohrentaucher als Irrgast auf. In den letzten vier Jahren sieht das ein wenig anders aus. Daher möchte ich diese 4 Jahre erst einmal als Grundlage aufarbeiten, wobei der Schwarzhalstaucher ebenfalls nachgewiesen wurde. Lediglich der Haubentaucher ist aber wohl wirklich regelmäßig und auch z.T. häufig um oder auf Spiekeroog festzustellen.

Der Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) ist vor allem in Frostzeiten im Hafen und der vorgelagerten Fahrrinne schwimmend zu beobachten. Da kann es schon vorkommen, dass bis zu 5 Individuen zu sehen sind. Bei Leege (1905) wird er während der Zugzeit im Herbst und Frühjahr als häufig auf den Ostfriesischen Inseln angegeben. Das ist heute die Ausnahme und häufig schon gar nicht. Er sah ihn allerdings ausschließlich auf Süßwasserteichen, die es auf Spiekeroog so richtig nicht gibt. Zwischen 2006 und 2009 liegen mir 17 Beobachtungen vor, wobei es sich fast ausschließlich um Verweiler über längere Zeiten handelt. Aus dem Rahmen fallen folgende Beobachtungen: 18.07.2006 1 Ex. auf der Lagune; schwimmend; 26.08.2007 2 Ex. auf Lagune schwimmend 20./21.02.2009 je 1 Ex. Hafen; 7.03.2009 3 Ex. Hafen. Sämtliche anderen Beobachtungen sind von Ende November bis Januar und alle vom Hafen oder davor und über längere Zeit.

Der Rothalstaucher (Podiceps grisegena) wird von Leege (1905) nach dem "Zwergsteissfuss" als der zweithäufigste Lappentaucher genannt, der im Watt, in den Prielen oder auf dem Meer schwimmend angetroffen wird. So ist das auch noch heute; nur ist mit großem Abstand heutzutage der Haubentaucher der bei weitem häufigste.

Mir liegen aus 3 Jahren nur 17 Beobachtungsdaten vor mit 24 Vögeln, fast alle vor N vorbeiziehend. Nur ein einziger Vogel schwamm am 19.02. vor dem Alten Anleger herum. Alle anderen wurden beim Seawatchen entdeckt. Insofern handelt es sich bei diesen 24 Vögeln um jeweils verschiedene Individuen. Alle Exemplare flogen einzeln niedrig über dem Meere. Die Verteilung der Daten enthält die Tabelle 1.

Tab. 1: Rothalstaucher-Beobachtungen von 2006-2009.

Wirklich nennenswert als Durchzügler unter den Lappentauchern ist der Haubentaucher (Podiceps cristatus). So wird er am häufigsten beim Seawatching registriert -und das auch in kleineren Gruppen-, und auch stationäre Vögel auf der Lagune, im Hafenbereich als auch auf dem offenen Meer (dann aber in Küstennähe) dominieren bei weitem. Ohne den Blick aufs Meer mit einem guten Spektiv wären die Gesamtzahlen allerdings erheblich unbedeutender. So zogen am 3.11.07 z.B. innerhalb von 2 Stunden 69 Haubentaucher an mir vorbei, die bei dem raschen niedrigen Flug nicht gesehen worden wären.

Tab. 2: Haubentaucher-Beobachtungen von 2006-2009.

Der Wegzug ist durchaus stärker, was sich auch mit den Angaben von Leege (1905) deckt, der für die Ostfriesischen Inseln Oktober und November als die Monate bewertet, in denen diese Art durchzieht. Den Heimzug erwähnt er nicht. Von Dezember bis Februar sind vor allem stationäre Wintergäste zu sehen, im Dezember häufig mehrere Vögel gleichzeitig, während es später meist Einzeltiere sind. Ansonsten sind in nahezu allen Monaten Haubentaucher um Spiekeroog zu sehen.

Der Ohrentaucher (Podiceps auritus) ist ein recht seltener Gast, doch heutzutage zu häufig, um ihn unter die Irrgäste einzustufen, wie das Meyer-Deepen/Meijering (1979) beschreiben. Leege (1905) nennt von September bis März die Zeit, in der man bei Juist und Norderney Ohrentaucher antrifft. In den letzten 4 Jahren liegen mir 2 Juli-Daten vor, wo je 2 Vögel im Brutkleid von Osten her kommend auf der Lagune, bzw. davor auf dem Meer zur Rast einfielen (17.07.07 und 29.07.07). Die übrigen 5 Daten von je 1 Vogel sind: 5.11.07; 10.12.07; 3.09.08; 21.10.08 und 31.03.09

Während Leege (1905) den Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis) als "nicht selten" für die Ostfriesische Küste bezeichnet und auch erbeutete Vögel von Borkum erwähnt, fehlt diese Art bei Meyer-Deepen/ Meijering (1979) völlig. Florian Fumy und Christopher Brandes nannten mir die erste Beobachtung eines im Brutkleid befindlichen Vogels am 2.05.08 (SOB Heft 3). 2 weitere Taucher landeten am 8.10. vor dem Badestrand. Weitere Nachweise sind mir nicht zu Ohren gekommen. Insgesamt kann ich mir vorstellen, dass Lappentaucher im Wattenbereich sehr viel häufiger noch beobachtet werden könnten vom Schiff aus oder durch häufigere Kontrollen in Hafennähe. Ein Beobachtungsturm dort, wie ich mir das seit langem wünsche, könnte zur genaueren Erfassung dieser Arten sehr behilflich sein.

Literatur:

Goethe, F., H. Heckenroth & H. Schumann, 1878: Die Vögel Niedersachsens und des Landes Bremen.

Leege, O., 1905: Die Vögel der friesischen Inseln, Fauna Verlag, Nottuln 2007 (Reprint).

Meyer-Deepen, J. & M.P.D. Meijering, 1979: Spiekeroog, Naturkunde einer ostfriesischen Insel, Verlag KV Nordseebad Spiekeroog.


Die Schwimm- und Tauchenten auf Spiekeroog in den Jahren zwischen 2006 und 2009 nach eigenen Beobachtungen

Schwimmenten halten sich bevorzugt auf den Wasserflächen der Leegde, den Prielen und Gewässern der Ostplate und Neelands, im Watt, auf dem Heller des Wester- und Ostergroens auf und die Stockente auf der Lagune. Tauchenten bevorzugen dagegen den Hafen, die Fahrrinne davor als auch die Lagune und selten das Meer. Lediglich die Schellente ist auch vereinzelt in größeren Prielen der Ostplate als auch Neeland zu sehen.

Die Pfeifente (Anas penelope) ist dabei auf dem Zuge bei weitem am zahlreichsten vertreten. So wurden am 6.10.2008 17.134 und am 29.11.2008 sogar 21.682 Vögel gezählt im Rahmen der vierzehntägigen WWZ. Die ersten Durchzügler und Gäste erscheinen Mitte Juli (lediglich im Jahre 2008 wurden am 8.06. 2 Individuen beobachtet). Ende April verlassen die letzten Tiere die Insel. Deutlich sichtbar machen die Tabellen und Graphiken den weitaus stärkeren Wegzug besonders im Oktober/November. Der Bestand der Wintergäste steigt selten über 1.000 (28.01.08 mit 1.351 und am 25.01.09 mit 1.919), hängt sicherlich aber vom jeweiligen Winter ab und den damit zusammenhängenden Nahrungsbeschaffenheiten.

Tab. 3: Pfeifenten-Beobachtungen von 2006-2009.

Auffallend ist das starke Erscheinen im Jahr 2008 und das dagegen schwache im folgenden Jahr, wofür ich keine Erklärung habe, was auch nach 4 Beobachtungsjahren zu viel erwartet wäre.

Die Schnatterente (Anas strepera) ist mir lediglich ein einziges Mal am 12.12.2008 mit 5 Exemplaren an der Leegde aufgefallen. Sicherlich wird diese Art in größeren Trupps im Fluge gar nicht bemerkt.

Häufig und regelmäßig dagegen ist die kleine Krickente (Anas crecca), die ja manchmal auch als Brutvogel nachgewiesen wird wenn auch nicht alljährlich. Diese Art trifft man bevorzugt an der Leegde an, doch auch verstärkt in den Prielen am Hafen oder vorbeiziehend an der Insel über dem Meer. Auch bei dieser Ente ist das Herbstauftreten ausgeprägter als der Heimzug. In der Regel bestehen die Trupps aus 20 - 60 Vögeln, können aber auch 250 erreichen wie am 20.11.2007. Überwinterer gibt es regelmäßig vor allem am Hafen.

Tab. 4: Krickenten-Beobachtungen von 2006-2009.

Die Stockente (Anas platyrhynchos) möchte ich nur kurz anreissen der Vollständigkeit halber. Sie ist hier häufiger Brutvogel und außerhalb der Brutzeit eigentlich überall zu sehen. Da sind die zahmen, oftmals fehlfarbenen Exemplare, die sich früh morgens mit den "wilden" Artgenossen auf der Lagune treffen. Am Vormittag wechseln sie ihren Standort und begeben sich auf den Parkteich, an andere Futterplätze vor Restaurants im Orte oder zu den diversen Heimen oder auch aufs Wester- oder Ostergroen, soweit dort Wasserflächen sind. Der Winterbestand erreicht vereinzelt 7-800 Individuen und hält sich überwiegend auf der Ostplate auf. Nördlich vor der Insel sah ich nahezu nie vorbeiziehende Stockenten!

Die Spießente (Anas acuta) zieht bei uns von der letzten August-Dekade an durch und erreicht einen vorläufigen Gipfel im Oktober. Dann ebbt der Bestand wieder merkbar ab, um im Januar den absoluten Gipfel zu erreichen. Spätestens Ende März verlässt sie uns dann ganz, wird aber schon ab Februar sprunghaft rarer. Bevorzugt sieht man sie außer vorbeiziehend in den Wasserlöchern und Prielen von Neeland, Ostergroen und vor allem auf der Ostplate.

Mengen von über 100 Vögeln sind selten. Die größte Menge wurde am 28.01.2008 vermerkt mit 555 Exemplaren.

Tab. 5: Spießenten-Beobachtungen von 2006-2009.

Ein recht seltener Gast ist die Knäkente (Anas querquedula). Meyer-Deepen (1979) erwähnt sie gar nicht. Ich habe 2 Beobachtungen aus den Jahren vorliegen. Ein Weibchen hielt sich am 29.09.2006 auf dem Teich am Alten Müllplatz auf. Mit Heribert Baur und Rudolf Kratzer beobachteten wir auf der Lagune unter Stockenten 1 Pärchen. Doch das für die Schnatterente Gesagte gilt sicher auch im noch stärkeren Maße für die Knäkente, dass in größeren und gemischten Trupps einzelne andersartige untergehen können.

Als letzte Schwimmenten-Art ist die Löffelente (Anas clypeata) zu nennen, die unregelmässig in 1-2 Paaren auch als Brutvogel auf der Insel auftaucht. Die Trupps dieser Art erreichen höchstens die Anzahl von 30 Vögeln. Sie bevorzugen die Wasserflächen der Leegde, Ostplate, Oster- und Westergroen, oder sie werden an der Insel vorbeiziehend gesichtet. Von April bis März 2008 hielten sich bis zu 7 Exemplare auch ausnahmsweise auf dem Kurparkteich auf.

Tab. 6: Löffelenten-Beobachtungen von 2006-2009.

Wenn man die Daten von Mai bis Juli herausnimmt, weil es sich dabei um die Brutvögel handelt, fallen zunächst drei Gipfel auf. Nach dem August sinken die Werte auf einen nahezu gleich bleibenden niedrigen Bestand. Im Februar folgt ein zweiter Höhepunkt, was sich wohl aus der Summe der Wintergäste und beginnendem Heimzug ergibt. Der Rückgang im März ist dann etwas unerklärlich, da im April erneut ein deutliches Ansteigen sichtbar wird. Vielleicht ist das rein zufällig und gleicht sich im Laufe weiterer Beobachtungsjahre noch besser an.

Regelmäßiger Durchzügler ist die Reiherente (Aythya fuligula), die aber sehr selten rastend auf der Insel beobachtet wird und das bisher nur im Hafen und der Lagune. Da ich immer nur in den zugmäßig günstigen frühen Morgenstunden die an der Insel vorbeifliegenden Vögel zähle, kann ich nicht mit riesigen Tagesmengen aufwarten. Die ziehenden Trupps bewegen sich mengenmäßig zwischen 10 und 25 Exemplaren.

Tab. 7: Reiherenten-Beobachtungen von 2006-2009.

Für mich stellt sich die Tabelle so dar, dass der Wegzug im September beginnt, im September und Oktober seinen Höhepunkt hat und dann mit Einbruch von Kälteschüben bis in den Januar anhält. Der Heimzug berührt die Insel nicht, zumindest nicht feststellbar.

Ähnlich wie bei der vorherigen Art findet man die Bergente (Aythya marila) stationär nicht auf der Insel. Vom 3. - 6.12. 2009 hielt sich einige Tage 1 Weibchen im Hafen auf. Normalerweise ist sie nur über dem Meere auszumachen. Bei dieser Art beginnt der Wegzug im September (9 Ex.); Oktober (13); November (244); Dezember (100); Januar (14) und Februar (23). Heimzugdaten fehlen.

Nur ein einziges Datum gibt es von der Eisente (Clangula hyemalis) vom 3.12.2008. Auf der Lagune weilte für einige Stunden 1 weiblicher Vogel.

Anders als bei Reiher- und Bergenten ist es bei der Schellente (Bucephala clangula), so dass sie vor allem als Inselgast wahrgenommen wird. Meistens sieht man sie dann auf der Lagune tauchend. Einzelne aber sind auch im Hafen und der vorgelagerten Fahrrinne wie manchmal auch auf den tieferen Prielen der Ostplate zu sehen.

Die Monatsgesamtzahlen setzen sich folgendermaßen zusammen: Oktober (48); November (117); Dezember (203); Januar (239) und Februar (240). Das Maximum einer Tagesmenge wurde am 29.02.2007 mit 36 Exemplaren erreicht. Bei den Monatssummen ist zu berücksichtigen, dass die Enten meist über mehere Tage verweilen, während vorbeifliegende Trupps die genauere Anzahl widerspiegeln

Die Meeresenten und Säger werden zu einem späteren Zeitpunkt zusammengefasst.

Literatur:

Meyer-Deepen,J. & M.P.D. Meijering, 1979: Spiekeroog, Naturkunde einer ostfriesischen Insel, Verlag KV Nordseebad Spiekeroog


Elegante Mäusejäger in Gefahr!

Kornweihen (Circus cyaneus) im Nationalpark "Niedersächsisches Wattenmeer"

Von Nadine Oberdiek

Es ist Frühling geworden auf Spiekeroog. Die Vögel sind zurück aus ihren Winterquartieren in Südeuropa und Afrika und haben ihre Heimatinsel "Spiekeroog" sicher erreicht. Auf den Wiesen beim Inseldorf brüten Kiebitze, Rotschenkel flöten von ihren Sitzwarten auf den Zaunpfählen entlang der Salzwiesen, Austernfischer verteidigen zeternd ihr Revier gegen aufdringliche Nachbarn und in den Dünen im Osten der Insel haben die Möwen wieder eine große Brutkolonie gebildet.

Auch die Kornweihen sind zurückgekehrt aus ihren Überwinterungsgebieten. Bereits im April kann man diese zierliche Greifvogelart balzend über den Spiekerooger Dünen beobachten. Faszinierend sind die steilen Aufwärtsflüge der Männchen, ihre Loopings und Sturzflflüge aus großer Höhe, um die Weibchen zu beeindrucken und sich zu paaren.

Kornweihen legen ihr Nest in niedrigen Gebüschen am Boden an. Die Weibchen sind allein für die Brut zuständig, während das Männchen für sich, seine Partnerin und die Jungen in den Dünen und Grünlandflächen der Insel auf Beutejagd geht. Die Beute bringt er seinem Weibchen nicht ans Nest, sondern übergibt sie ihr spektakulär in der Luft.

Beuteübergabe vom Männchen (oben) an das Weibchen

Foto: Jochen Dierschke.

Die Beobachtung balzender und brütender Kornweihen ist selten geworden in Deutschland. Sehr selten sogar, denn die großräumigen Lebensraumzerstörungen haben dieser Art stark zugesetzt. Früher war die Kornweihe eine typische Brutvogelart der Heiden und Moore und in solchen Gebieten weit verbreitet. Im Zuge der Trockenlegung der Moore und Urbarmachung der Heiden zur Schaffung landwirtschaftlicher Nutzflächen, einhergehend mit einer fortschreitenden Intensivierung der Landwirtschaft, wurde den Kornweihen am Festland nahezu gänzlich der Lebensraum genommen. Daraufhin verlagerten sich in den 1970er Jahren die Kornweihenbestände in Deutschland auf die Inseln im Wattenmeer, wo die Art neue und vor allem geeignete Brutplätze finden konnte.

Heute gehört die Kornweihe zu einer der am stärksten gefährdeten Brutvogelarten in Deutschland und steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Der Brutbestand in Deutschland liegt aktuell bei maximal 60 Kornweihenpaaren. Mehr als die Hälfte davon brütet auf den Ostfriesischen Inseln im Nationalpark "Niedersächsisches Wattenmeer". Auf Spiekeroog selbst sind es immer um die 5 Brutpaare.

Leider zeigte sich in den letzten Jahren auch auf den Ostfriesischen Inseln ein leichter Rückgang der Brutpaarzahlen, wobei die Gründe hierfür weitgehend unbekannt sind. Dennoch haben die Inseln im niedersächsischen Wattenmeer eine herausragende Bedeutung für brütende Kornweihen. Welche Faktoren die Inseln für Kornweihen attraktiv machen, wie viele Kornweihen jedes Jahr aus ihren südlichen Überwinterungsgebieten ins Wattenmeer zurückkommen, ob sie hier erfolgreich brüten und ausreichend Junge groß ziehen können, um damit ihre Brutpopulation im Wattenmeer, und damit in Deutschland, stabil halten zu können, ist bisher weitgehend unklar.

Um diesen Fragen nachzugehen und sie beantworten zu können, ist ein mehrjähriges Forschungsprojekt von der Nationalparkverwaltung "Niedersächsisches Wattenmeer" in Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg ins Leben gerufen worden.

Neben anderen ist ein wichtiger Aspekt in diesem Vorhaben die Beringung nestjunger Kornweihen. Dabei werden junge Kornweihen kurz vor dem Ausfliegen aus dem Nest mit je einem Farbring pro Bein versehen. Ein einfarbiger Ring, der sogenannte Inselkennring, kennzeichnet die Insel, auf der der Vogel geschlüpft ist. Jede Insel hat dabei eine andere Far-be, um die Vögel den jeweiligen Inseln zuordnen zu können. Auf dem zweiten Ring ist auf blauem Grund ein weißer, zweistelliger Buchstaben-Zahlen-Code zu sehen, der den Vogel eindeutig und individuell identifiziert. Mit dieser individuellen Markierung der Vögel können wir herausfinden, wo sich die jungen Kornweihen nach dem Flüggewerden aufhalten, ob sie nach dem Ausfliegen noch eine zeitlang auf ihrer Geburtsinsel bleiben oder sich schon langsam in Richtung Winterquartier auf den Weg machen und ob man sie auf ihren Flügen auch auf anderen Wattenmeerinseln beobachten kann.

Kornweihen sind geburtsortstreu. Das bedeutet, dass die Vögel, wenn sie das brutfähige Alter erreicht haben, an ihren Geburtsort zurückkehren, um dort selbst das erste Mal zu brüten. Die wichtigste Frage im Zusammenhang mit der Beringung ist: Kommen diese jungen Kornweihen aus ihren Winterquartieren wirklich zurück ins Wattenmeer, an ihren Geburtsort, um selbst dort zu brüten und sie sich somit in die Brutpopulation des Wattenmeeres "eingliedern"? Und wenn sie dies tun, wie alt sind die Vögel dann, auf welcher Insel schreiten sie zum ersten Mal in ihrem Leben zur Brut, welchen Partner haben sie, ist dieser auch beringt, wie viele Junge werden beim ersten Mal groß gezogen? Wichtige Fragen, die wir mit Hilfe der Farbberingung beantworten können.

In der Regel brüten Kornweihen das erste Mal im Alter von 2 Jahren. Seit 2007 werden junge Kornweihen auf den Ostfriesischen Inseln mit Farbringen markiert. Das bedeutet, die Vögel, die im Jahr 2007 beringt wurden, sind nun 2 Jahre alt und somit im brutfähigen Alter.

Tatsächlich gibt es aus diesem Jahr eine erste Erfolgsgeschichte darüber zu erzählen: Bereits im April konnte man auf Spiekeroog immer wieder ein junges Männchen bei den Inselweiden und am Umweltzentrum "Wittbülten" beobachten, welches einen blauen Farbring trug. Dieses Männchen stellte sich aber so "geschickt" an, dass es seinen Ring mit der weißen Aufschrift nie so recht zeigen wollte. Entweder war er zu weit weg oder hat seine Beine im Gefieder versteckt oder hat sich tagelang gar nicht gezeigt. Wenn dann der Vogel aber trotzdem einmal nah zu beobachten war, so dass der Ring erkennbar wurde, war er dann so schnell wieder hinter den Dünen verschwunden, dass in der Eile kein Foto des Männchens geschossen werden konnte. Aber zumindest waren wir uns, aufgrund des blauen Ringes, zu diesem Zeitpunkt schon sicher, dass dieses Männchen einer von "unseren" Vögeln ist. Die Frage war jetzt nur, welcher Vogel ist das genau, wo brütet er auf Spiekeroog in diesem Jahr und mit wem? Dazu brauchten wir den genauen Code des Ringes.

Mittlerweile war es Mai geworden und das beringte Männchen war immer noch auf Spiekeroog, hat sich mit einem Weibchen zusammen getan, hat mit ihr ein Nest in den Dünen gebaut und ist zur Brut geschritten.

An einem sonnigen Vormittag Anfang Juni saßen wir gemeinsam auf der Terrasse des Umweltzentrums ‚Wittbülten’ bei einer Tasse Kaffee. Wir unterhielten uns über die Kornweihen und ärgerten uns ein bisschen über das besagte Männchen, weil es so schwierig war, seinen Ring abzulesen. Genau in diesem Moment passierte es: Das beringte Männchen flog sehr niedrig über die Terrasse des ‚Wittbülten’. Genau über unseren Köpfen hinweg, ganz nah. Was für ein wunderbarer Anblick!

Der Vogel war sicherlich auf dem Weg in sein Jagdrevier, um eine Maus für sein brütendes Weibchen zu erjagen. Es dauerte nur Sekunden, in aller Eile rissen wir unsere Ferngläser vor die Augen, aber da war es schon zu spät. Das Männchen war flugs hinter einer Kiefer verschwunden und nicht mehr zu sehen. Der blaue Ring war ganz eindeutig zu sehen, als er über uns hinweg flog, nur eben wieder nicht die weiße Aufschrift. In der Aufregung, Eile und Faszination, diesen Vogel so nah sehen zu können, hat niemand von uns daran gedacht, ein Foto zu machen. Nun hieß es, mit Geduld und Ausdauer weiter versuchen, dieses Männchen eindeutig zu identifizieren.

Einige Tage später sollte dann aber doch noch alles gut werden. Edgar Schonart hat das Männchen wieder gesehen und konnte ein Foto machen, auf dem der Ring mit der Aufschrift gut abzulesen war. Nun war es sicher: Das besagte Männchen trägt den Ring mit der Aufschrift J,5.

Kornweihen-Männchen mit Ring mit der Aufschrift J,5 Foto: Edgar Schonart.

Dieses Kornweihen-Männchen ist im Jahr 2007 auf Spiekeroog geschlüpft und von uns kurz vor dem Ausfliegen aus dem Nest beringt worden. Damit wissen wir auch, dass dieser Vogel 2 Jahre alt ist und in diesem Jahr auf seine Geburtsinsel zurück gekehrt ist, um selbst dort das erste Mal in seinem Leben zur Brut zu schreiten. Zusammen mit seinem Weibchen hat J,5 in diesem Jahr erfolgreich einen Sohn groß gezogen.

Das Beispiel dieses Kornweihenmännchens zeigt, dass wir mit Hilfe der Beringung wichtige Informationen zu Rückkehrraten der Vögel, aber auch zu Geburtsortstreue und Bruterfolg zusammentragen können. Solche Informationen sind unerlässlich, um die beobachtete Bestandsentwicklung der Kornweihen und ihre Populationszusammensetzung im Nationalpark "Niedersächsisches Wattenmeer" zu interpretieren und um letztlich damit zum Schutz der Art beitragen zu können.

Im nächsten Jahr erwarten wir weitere beringte Kornweihen zurück auf den Inseln im Nationalpark "Niedersächsisches Wattenmeer". Wir sind sehr gespannt darauf und hoffen, dass viele "unserer" Kornweihen den Weg zurück zu ihrem Geburtsort im Wattenmeer finden.


Beschreibung der Arten

A. Brutvögel

Die Brutvogelerfassung auf einer Fläche von Spiekeroog stellt sehr große Anforderung an das Team, welches aus 2-4 Personen bestand. Die Insel ist in 21 Feldkarten unterteilt, die möglichst 5 mal im Abstand von mindestens einer Woche durchgangen werden sollen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß es frühbrütende Arten wie Graugans, Kiebitz als auch spätbrütende wie Rohrsänger, Austernfischer gibt. Einen goldenen Mittelweg zu finden, erfordert einiges an Fingerspitzengefühl. Das ist auch besonders notwendig bei der Findung von Nestern frühbrütender Arten in einer späteren Jahreszeit. Meist sind das dann wohl Nachgelege, die bei der Ermittlung der Anzahl von Paaren nicht einfach addiert werden dürfen. Das Problem stellte sich besonders bei Graugänsen, Eiderenten und Rohrweihen.

Für mich zeigte sich aber auch immer deutlicher, daß Arten wie Kiebitz, Austernfischer, Säbelschnäbler besser von aussen kartiert werden können, während Rotschenkel, Wiesenpieper, Feldlerchen leichter bei einer Begehung zu ermitteln sind. Viele Arten dagegen sind nur in Sonderaktionen genau zu ermitteln wie Waldohreulen, Turmfalken und die meisten Singvögel. Dabei waren es manchmal wieder die wertvollen Tipps von Gastbeobachtern, wobei ich besonders Steffen Koschkar erwähnen möchte. Ihm verdanke ich viele wertvolle Angaben.

Auffallend war in diesem Jahr, dass einige Arten in ihrem Bestand unerklärlich stark zurückgegangen waren. Vielleicht geben die nächsten Jahre darüber nähere Auskunft, wenn der Rückgang kontinuierlich ist oder der Bestand wieder normalisiert ist. Der Steinschmätzer war gar nicht mehr Brutvogel im Berichtsjahr. Ich befürchte auch, dass er nicht wieder auftreten wird. Dafür haben nun auch wir einen Neueinwanderer, die Nilgans, als erfolgreichen Brutvogel verzeichnen zu können, worüber man sich keineswegs unbedingt freuen kann.

Positiv zu bewerten ist, dass es mangels einer im vorangegangenen Winterhalbjahr nennenswerten Sturmflut zu einer ausgeprägten Mäusepopulation (Feldmaus) kam. Dadurch vermehrte sich der Bestand mäusefressender Vogelarten z.T. um mehr als 100% (Eulen und Turmfalke). Bei diesen Arten war auch ein sehr guter Bruterfolg zu verzeichnen.

- Dagegen blieb es bei den empfindlichen Arten (Regenpfeifer, Seeschwalben, Säbelschnäblern) bei dem inzwischen üblichen Nullerfolg. Die Zwergseeschwalben verloren zwar die erste Brut, machten aber einen zweiten Versuch, der anfänglich erfolgreich schien. Es konnten mehrere geschlüpfte Junge entdeckt werden.

Doch die 2. Brut erfolgte zu dicht an der Grenze der Ruhezone, dass beim Passieren der zu der Zeit zunehmenden Inselgäste die Altvögel immer wieder aufgescheucht wurden. Das dürfte letztlich den Nesträubern zum Vorteil gereicht haben. Da der Alte Anleger zum Jahresende abgebaut wurde, der Zugang in das Areal wahrscheinlich gelenkt werden soll, könnte das im folgenden Jahr zu einer Entspannung der Brutsituation bei dieser Art wie auch bei den Sandregenpfeifern führen. Das wäre natürlich ein wichtiger Gewinn für die beiden nicht nur auf Spiekeroog bedrohten Arten.

Besonders zu Beginn der Brutzeit fielen die vielen von Prädatoren geraubten Eier auf. Das hinderte aber viele Arten nicht daran, immer wieder neue Brutversuche zu starten (Fasan und Ringeltaube). So liefen noch im Oktober ganz junge Fasanenfamilien herum. Das war mir in den Vorjahren nicht aufgefallen. Bei den Ringeltauben kam in mir sogar der Verdacht auf, dass die Art erst richtig mit der Brut nach der eigentlichen allgemeinen Brutsaison beginnt. Worin aber könnte der Grund liegen? Vielleicht sind die Krähenvögel dann nicht mehr so spezialisiert auf Eier und Jungvögel (?).

Abschliessend denke ich, dass die bisher ermittelten Brutpaarangaben von Jahr zu Jahr genauer werden. Der Faktor Erfahrung spielt da doch eine große Rolle. Und so werden wir in den nächsten Jahren immer exaktere Angaben machen können, die auch Aussagen über Bestandsentwicklungen ermöglichen. Dennoch möchte ich erstmals aussagekräftigere Angaben zu den Brutpaaren machen.

Löffler (Platalea leucorodia): Die seit 2003 bestehende Kolonie auf Spiekeroog war in diesem Jahr um 2 Paare schwächer als 2008, hat sich also nahezu gehalten. Das bekannte Weibchen von nun 11 Jahren war auch in diesem Jahr wieder anwesend. 23 Paare

Graugans (Anser anser): Eine genaue Angabe zu den Paaren ist nicht möglich, da innerhalb der Kontrollzeit immer wieder zerstörte Nester gefunden wurden aber auch wieder neue Gelege. Dennoch können wir von einer leichten Zunahme auf etwa 65 Paare ausgehen, da nicht nur auf der Ostplate und im Westergroen sondern auch im Osterund Südergroen wie auch in Neeland Gelege gefunden wurden. 65 Paare

Nilgans (Alopochen aegyptiacus): Nun hat auch Spiekeroog das erste Paar mit auch erfolgreicher Brut bei der Hermann Lietz-Schule. 2 Junge wurden erwachsen. Auf der Nachbarinsel Langeoog sind sie ja schon länger beheimatet (J.W.mdl.). 1 Paar

Brandgans (Tadorna tadorna): Die Anzahl der BP festzustellen, ist ungewöhnlich schwer. Ob Höhlen in den Dünen bewohnt sind oder nur besucht wurden, ist kaum zu unterscheiden. Es gibt daher einen Stichtag am 1.Mai, an dem auf der ganzen Insel sämtliche Brandgänse gezählt werden sollen. Doch von dieser Methode halte ich sehr wenig, da sie viel zu wetterabhängig ist. Daher versuchte ich die Summe der Beobachtungen auszuwerten. - Nester finden sich auch immer zahlreicher im Dickicht niedriger Kiefern, unter Holzstapeln, in Scheunen (Frauke Strothmann, mdl.), in Gebäudenähe im Ort etc. - Jungvögel aber sieht man ausgesprochen selten. 85 Paare

Krickente (Anas crecca): Obwohl kein Nest gefunden wurde, ist davon auszugehen, dass die während der Brutzeit auf der Ostplate aufgeflogene Ente an etwa identischer Stelle eine Brut bedeutet. 1 Paar

Stockente (Anas platyrhynchos): Die zahlreichen Nachgelege wegen Nestplünderungen erschweren genauere BP-Zahlen. Nester oft sehr weit vom Wasser entfernt in den Dünen. 90 Paare

Löffelente (Anas clypeata): 2 jungeführende Weibchen auf der Ostplate wurden ausgemacht. 2 Paare

Eiderente (Somateria mollissima): Auch bei dieser Art ist eine genaue BP-Feststellung durch die vielen geplünderten Nester und die Nachgelege sehr schwierig. 95 Paare

Rohrweihe (Circus aeruginosus): Insgesamt wurden mehr als 6 Nester gefunden; aber die Anzahl der beobachteten Paare blieb konstant. Dagegen gab es geplünderte Nester. 6 Paare

Kornweihe (Circus cyaneus): 5 revieranzeigende Paare erbrachten aber nur 3 Nester mit Eiern (s. Nadine Oberdiek S. 12) 5 Paare

Sperber (Accipiter nisus): Das bekannte Paar war auch in diesem Jahr am bekannten Brutplatz. Das Nest wurde aber 2009 nicht gefunden, doch auch nicht speziell gesucht zur Vermeidung von Störungen. 1 Paar

Mäusebussard (Buteo buteo): Auch dieses eine Paar war wieder da, wechselte allerdings den Brutplatz. 1 Paar

Turmfalke (Falco tinnunculus): Aus den bisher 5 Brutpaaren in den vergangenen Jahren wurden 9 in diesem mäusereichen Jahr. Erstmals wurden auch im Laufe des Jahres Nistkästen von uns gebaut und angebracht, dessen Effektivität aber erst im kommenden Jahr zur Geltung kommt. 9 Paare

Fasan (Phasianus colchicus): Die Anzahl der ermittelten Männchen erfolgte im Laufe der Brutzeit. Durch die ausgebliebene Wintersturmflut war der Bestand gut erholt. 125 Männchen

Wasserralle (Rallus aquaticus): Wohl nur 1 Paar im Neeland. 1 Paar

Teichhuhn (Gallinula chloropus): 2 Paare im Park, 1 am Aushub für den Deich westlich des Ortes, 1 am Teich des Alten Müllplatzes und 1 neues am Teich gegenüber der Poststelle. 5 Paare Austernfischer (Haematopus ostralegus): Große Gelegeverluste erschweren die tatsächliche Ermittlung der BP. Immer wieder entstehen Nachgelege. Und erschreckend niedrig ist die Anzahl der Jungen. Ich nehme einen beträchtlichen Rückgang an. 450 Paare

Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta): 14 Paare siedelten sich zunächst an der alten Stelle im Ostergroen an. Da aber gleichzeitig die Pferde des Reitstalls Petschad auf die Flächen geschickt wurden, vergrämte das die S., was unvorhersehbar war. Später wurden 3 Nester auf der Ostplate gefunden und einige neue Nester sehr spät in den Salzwiesen vor dem Ostergroen. Letztere wurden dann aber durch einen erhöhten Wasserstand wieder vernichtet. Über den Erfolg der 3 Ostplaten-Gelege ist nichts bekannt. 17 Paare

Kiebitz (Vanellus vanellus): Der Bestand des Vorjahres hat sich gehalten wie auch der geringe Erfolg bei der Jungenaufzucht. 19 Paare

Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula): Wie in den letzen Jahren hatten die 3 Paare keinen Erfolg bei der Brut. Es kam nicht einmal zum Schlüpfen. 3 Paare

Waldschnepfe (Scolopax rusticola): Über die Erfassung von Waldschnepfenpopulationen Worte zu verlieren, ist überflüssig. Nur ein grosser Trupp von Beobachtern, ausgerüstet mit Sprechfunk könnte da genauere Zahlen bringen. Es muss von mindestens 5 Paaren ausgegangen werden. Alles andere wäre wilde Spekulation! > 5 Paare

Uferschnepfe (Limosa limosa): Sowohl in der Leegde als auch im Westergroen waren endlich mal je 1 Paar erfolgreich bei der Aufzucht der Jungen. 6 Paare

Brachvogel (Numenius arquata): Gleichbleibend im Bestand; gleichbleibend im negativen Bruterfolg. 7 Paare

Rotschenkel (Tringa totanus): Auch bei dieser Art ist eine genaue Angabe der BP kaum möglich. Die Nester in den Salzwiesen zu entdecken ist ein Glücksfall. Aussagen über den Bruterfolg sind noch schwieriger. 130 Paare

Sturmmöwe (Larus canus): Diese Art brütete, abgesehen von 2 Paaren im Westergroen nur noch auf der Ostplate. Die anfängliche Besetzung im Ostergroen wurde sehr bald wieder aus unerklärlichen Gründen aufgegeben. 300 Paare

Silbermöwe (Larus argentatus): Eine Zunahme zum vergangenen Jahr war klar erkennbar. Zweithäufigster Brutvogel nach der Heringsmöwe. 2500 Paare

Heringsmöwe (Larus fuscus): Bei weitem häufigster Brutvogel. Merkbare Zunahme zum Vorjahr. 8500 Paare

Lachmöwe (Larus ridibundus): Die eigentliche Kolonie auf dem Westergroen ist nicht besetzt worden. Andere Brutplätze blieben unterbesetzt. Ähnliche Bilder zeigten auch andere Inseln. Ein Grund dafür ist derzeit noch nicht erkennbar. 34 Paare

Flussseeschwalbe (Sterna hirundo): Der schwache Bestand ist derzeit noch konstant. Die meisten Paare in den Salzwiesen vor Ostergroen und bei der Hermann Lietz-Schule. Bruterfolg negativ. 11 Paare

Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea): Die Kolonie im SW blieb ohne Erfolg. 12 Paare

Zwergseeschwalbe (Sterna albifrons): Zunächst ließen sie sich auf der Muschelschillbank östlich des Alten Anlegers nieder, wechselten dann aber wieder wie letztes Jahr auf die westliche Fläche der Ruhezone 1 über. Diesmal waren auch erstmals nach 2 Jahren wieder Junge zu sehen. Doch die Absperrung zum passierbaren Teil der Insel war offenbar zu gering. Die Altvögel fühlten sich merkbar immer wieder gestört, flogen aufgeregt und warnend herum. Das reichte wohl aus, um der Jungen verlustig zu werden. Es gab auch in diesem Jahr wieder keinen Bruterfolg. 14 Paare

Hohltaube (Columba oenas): Konstanter Bestand. 31 Paare

Ringeltaube (Columba palumbus): Der Bestand wächst Jahr für Jahr. Wie bereits erwähnt scheint die "wahre Brut" nach der eigentlichen Brutzeit zu beginnen. Doch für solche Aussagen bedarf es genauerer Untersuchungen. 370 Paare

Waldohreule (Asio otus): Diese Art hat besonders von dem Mäusereichtum dieses Jahres profitiert. Der Bestand nahm von 3 auf 9 Paare zu. Auch der Bruterfolg war sehr hoch (bis zu 5 fl ügge Junge). 9 Paare

Sumpfohreule (Asio flammeus): Auch hier gab es eine beachtliche Zunahme auf 12 Paare, wobei der Bruterfolg nicht so hoch lag wie bei der Waldohreule. 12 Paare

Feldlerche (Alauda arvensis): Über die starke Abnahme dieser Art klagen viele Insulaner. Dieser Prozeß scheint sich fortzusetzen. Der Bestand hat sich allein im letzten Jahr fast halbiert. 68 Paare

Rauchschwalbe (Hirundo rustica): gleichbleibender Bestand, der vor allem im Ort zu finden ist unter Vorbauten der Häuser, Marquisen an Läden und gastronomischen Betrieben. Echte Stallnester nur an der HL und auf den Richelwiesen (Feil). Noch Ende September wurde beim "Meeresfrüchtchen" Junge gefüttert. 37 Paare

Mehlschwalbe (Delichon urbica): leichte Zunahme; die Inselschule und die "Werkstatt" beherbergen die meisten Paare. Auch auf den beiden Fährschiffen immer wieder Versuche, dort Nester anzubringen. Offenbar sollte das seitens der Mannschaft vermieden werden. Die Nester am Anker wurden wohl durch das Bugspritzwasser zerstört. 29 Paare

Bachstelze (Motacilla alba): An vielen Häusern ausserhalb der Ortschaft, am Alten Anleger, an den Dünenrändern, aber auch vereinzelt im Ort Nistplätze. 28 Paare

Wiesenpieper (Anthus pratensis): Für diese Art war ein auffälliger Rückgang zu bemerken, der sich auf die gesamten Brutflächen bezog. Diese Gebiete sind vor allem die Salzwiesen und der angrenzende Heller. 70 Paare

Zaunkönig (Troglodytes troglodytes): verstreut im Ort und in den Dünen mit Gebüsch. 25 Paare

Heckenbraunelle (Prunella modularis): wie Zaunkönig. 13 Paare

Amsel (Turdus merula): wie die beiden vorherigen Arten, doch vor allem im Ort. 38 Paare

Singdrossel (Turdus philomelos): in diesem Jahr nur 2 Paare auf der Insel; Gründe für den starken Rückgang unbekannt. 2 Paare

Feldschwirl (Locustella naevia): leichter Rückgang im Vergleich mit dem Vorjahr, doch mehr als im Jahresdurchschnitt; Bruten Islandhof, Campingplatz, Westend und nahe dem Utkieker. 4 Paare

Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus): die Brutplätze befin-den sich vor allem an den Abzugsgräben am Deich und im Schilf beim Islandhof. 6 Paare

Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus): wie vorherige Art. 6 Paare

Gelbspötter (Hippolais icterina): weniger als in den Vorjahren, nur 2 Paare

Fitis (Phylloscopus trochilus): gehört zu den häufigsten Singvögeln, vor allem in den buschigen Dünen. 80 Paare

Zilpzalp (Phylloscopus collybita): etwas häufiger als in den Vorjahren; brütet vor allem im und am Ort. 7 Paare

Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla): Kurpark und in den buschigen Dünen, nur 5 Paare

Gartengrasmücke (Sylvia borin): wieder nur 1 Paar nahe dem "Haus Wolfgang". 1 Paar

Dorngrasmücke (Sylvia communis): fast so häufig wie Fitis und auch in den Brutplatzansprüchen ähnlich. 57 Paare

Klappergrasmücke (Sylvia curruca): scheint eine höhere Bindung an die Umgebung von Gebäuden zu haben, nicht aber im Ortskern. 17 Paare

Grauschnäpper (Muscicapa striata): auch hier ein starker Rückgang, 1 Paar bei der Alten Inselkirche, ein zweites am Friederikenweg in einem Schrebergarten. 2 Paare

Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros): wie im vergangenen Jahr "Up de Dünen". 1 Paar

Schwanzmeise (Aegithalos caudatus): im Park 1 Brutpaar, dessen Nest aber geplündert wurde. 1 Paar

Kohlmeise (Parus major): Nistkästen und ausgefaulte Astlöcher sind zahlreich vorhanden. Im Ort und den verschiedenen Wäldchen insgesamt 31 Paare

Blaumeise (Parus caeruleus): s. Kohlmeise 11 Paare

Elster (Pica pica): Bestand gleichbleibend, was ich auf die starke Zunahme der Aaskrähe zurückführe und die dadurch entstehenden Rivalitäten. 19 Paare

Dohle (Corvus monedula): Neben den 3 bisherigen Populationen (HL, Ort und Neuer Rettungsschuppen) wurden in diesem Jahr auch 4-5 Dünennester (Sandhöhlen) im Westen und auf der Ostplate gefunden. 67 Paare

Aaskrähe (Corvus corone): deutliche Zunahme der gesamten Population als auch bei den Bodennestern (Ostplate); neben der Nominatform brüteten auch mindestens 2 Nebelkrähen auf der Insel. Die zahlreichen Mischfarben belegen eine lang anhaltende Tradition. In diesem Jahr auch an verschiedenen Örtlichkeiten partiell leukistische Junge. 34 Paare

Star (Sturnus vulgaris): Rückgang der Population auf ein Drittel, wofür auch hier keine Gründe bekannt sind. Weitere geeignete Nisthöhlen sind vorhanden. 12 Paare

Haussperling (Passer domesticus): auch hier ein leichter Rückgang. 44 Paare

Buchfink (Fringilla coelebs): im Park, im Ort und in den verschiedenen Wäldchen brütend. 11 Paare

Grünfink (Carduelis chloris): im Ort in diesem Jahr nur noch 2 Paare

Birkenzeisig (Carduelis flammea): in den Dünen am Westend und bei der Osteranplantung. 2 Paare

Bluthänfling (Carduelis cannabina): Auch bei dieser Art ein deutlicher Einbruch der Population um mehr als 50%. Vor allem noch Westend und Islandhof. 11 Paare

Rohrammer (Emberiza schoeniclus): Bestand konstant 16 Paare


B. Spezieller Teil

 

Das Berichtsjahr erwies sich beobachtungsmäßig als ein sehr schwaches. Der Vogelzug blieb überwiegend "verborgen", und auch an Raritäten mangelte es weitgehend. Gerade die nun meist vorherrschenden Winde aus südlichen Richtungen ließen erwarten, dass sich mehr mediterrane Irrgäste einfinden könnten. Dem war keinesfalls so, was auch weitgehend das Bild auf anderen Inseln widerspiegelt.

Dazu kommt, dass die Wetterlage oftmals das Seawatchen verwehrte, da die Sicht zu schlecht war (diesig oder gar neblig o.ä.). Wie auch schon im Jahr zuvor fehlte es an NW-Stürmen, die die Pelagen verstärkt in die südliche Deutsche Bucht treiben. Da kamen die schleswig-holsteinischen Beobachter zweifelsfrei besser weg. Außer dem Bergpieper erwiesen sich die neuen Nachweise als Zooflüchtlinge, die aber der Vollständigkeit halber aufgenommen werden. Ich erwähne in dem Zusammenhang Arten wie Nil-, Kanada- und Rostgänse und wohl auch Silberreiher, die anfangs hier nur als Gefangenschaftsflüchtlinge gewertet wurden, um später einen festen Platz im Beobachtungs-Alltag einzunehmen.

Wie in jedem Jahr gab es eine ganze Reihe von Beobachtern, die mir Ihre Daten uneigennützig zur Verfügung stellten. Allen möchte ich ganz besonders dafür danken, weil solche Gesten einfach erst Jahresberichte möglich machen.

Bei einem möchte ich mich auch nochmals auf diese Weise sehr entschuldigen. Aus meinem Freund Steffen Kämpfer machte ich unverständlicherweise Steffen Krämer. Ich bin froh, dass er mir nicht die Freundschaft kündigte und auch weiterhin neben seinem Studium der Vogelbeobachtung treu blieb. Damit hoffe ich natürlich auch gleich, diesen Fehler nicht in diesem Heft auf einen anderen übertragen zu haben.

Folgende Abkürzungen wurden im Text verwendet: Sterntaucher (Gavia stellata): an insgesamt 77 Tagen des Jahres festgestellt zwischen Januar und Mitte April und September bis Dezember mit Maximum im Dezember (12.12. mit 84 Ex.). 1 einzelner Taucher flog am 18.05. nördlich an der Insel vorbei.

EB Jahreserstbeobachtung WWZ Wasser/Watvogel-Zählung
LB Jahresletztbeobachtung Ex. Exemplare
s.S. siehe Seite z.T. zumTeil

Prachttaucher (Gavia arctica): am 1. und 13.12. je 1 Ex. vor N.

Eistaucher (Gavia immer): an 4 Tagen insgesamt 5 vorbeifl iegende Vögel, so am 5.01. (2); 11.02. (1); 25.11. (1) und 1.12. (1).

Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis): s. auch S. 5ff. im Januar 1-4, am 20./ 21.02. 1, am 7.03. 3 und ab Ende November wieder 1-2 im Hafen verweilende Individuen.

Rothalstaucher (Podiceps grisegena): s. auch S. 5ff. lediglich 2 Ex. am 11.10. vor N vorbeiziehend.

Haubentaucher (Podiceps cristatus): s. auch S. 5ff. an 24 tagen insgesamt 47 Ex. meist ziehend Januar / Februar und Oktober bis Dezember; Ausnahmen je 1 Tier am 17.05. und 20.08.

Ohrentaucher (Podiceps auritus): s. auch S. 5ff. am 31.03. 2 durchziehende O.

Eissturmvogel (Fulmarus glacialis): 4 am 6.01.; 6 am 7.01.; je 1 am 19. und 22.03. und 2 am 1.10. nördlich vor der Insel.

Gelbschnabelsturmtaucher (Calonectris diomedea): 1 Vogel am 1.10. vor N nach W vorbeifliegend.

Dunkler Sturmtaucher (Puffi nus griseus): 4 am 5.09.; 5 am 23.09. und 1 am 1.10. etwa 3 km vor N nach W surfend.

Schwarzschnabelsturmtaucher (Puffinus puffinus): am 24.09. und 1.10. je 1 Ex. vor N nach W.

Basstölpel (Morus bassanus): in allen Monaten einzelne Vögel vor N zu sehen; doch die immer selteneren Winde aus nordwestlicher Richtung haben den B. immer seltener vor der Insel vorbeifl iegen oder fischen lassen im Gegensatz zu den Jahren zuvor. An 73 Tagen beobachtet mit insgesamt nur 369 Ex.

Graureiher (Ardea cinerea): zwischen März und Mitte November in allen Monaten einzelne Durchzugsgäste; erstmals auch 1 Januar-Datum mit 1 Ex. am 10.01.

Silberreiher (Ardea alba): vom 18.-30.05. 3-mal je 1 Ex. zwischen Quellerdünenheim und Ostplate (Steffen Koschkar u.a.); 3 Ex. an der Ostplate ostwärts fliegend (mit Gunter Freese; Josef Gulden).

Nachtreiher (Nycticorax nycticorax): 1 diesjähriger Vogel am 24.12. über dem Kurpark nordwärts fliegend.

Weißstorch (Ciconia ciconia): Je 1 Storch wurde mir gemeldet vom 2.03. (Gabi Steinfelder-Feil; Christopher Brandes; Yusuf El-Khaled); 6.05. (Gabi Steinfelder-Feil); 13.06. (Yusuf El-Khaled) und 20.06. (Hilmar Ihlers).

Zwergflamingo (Phoenicopterus minor): Martin Zeh, Berlin, sah am 20.12. zu seinem Erstaunen am N-Strand einen kleinen, sehr roten Flamingo, den er am 26.12. tot in der Nähe fand und der so als Zwergflamingo bestimmt werden konnte. In der Zwischenzeit wurde er aber von diversen Insulanern und Inselgästen ebenfalls gesehen und auch photographiert. Der Vogel trug keinen Ring, ist aber sicher ein Zooflüchtling.

Abbildungen im Uhrzeigersinn: Luftkampf Sumpfohreule/Kornweihe, Leegde, 19.06.09. - Luftkampf Sumpfohreule/Kornweihe, Westergroen, 10.04.09. - Fichtenkreuzschnabel, Gartenweg, 9.07.09. - Schneeammer, Weststrand, 31.01.09. Abbildungen S. 32 im Uhrzeigersinn: Tundrasaatgans, Richelwiesen, 6.02.09. - Tahaweber, Hafengelände, 25.09.09.

- Rauhfußbussard, Westergroen, 20.03.09. - Steinwälzer, Alter Anleger, 7.04.09.

Höckerschwan (Cygnus olor): es liegen Daten aus allen Monaten vor, an denen der H. die Insel in der Regel nur überfliegt und das in kleinen Gruppen von 5 bis weniger Vögeln.

Singschwan (Cygnus cygnus): Februar / März und Oktober bis Dezember 6 Beobachtungsdaten von 3-13 Ex.; aus dem Rahmen fallen 3 Ex. vom 8.05.

Zwergschwan (Cygnus bewickii): lediglich am 7.12. bei der WWZ 28 im Wattenmeer schwimmende Vögel.

Tundrasaatgans (Anser serrirostris): Bei durchziehenden "Saatgänsen" gehe ich zuerst einmal von Vertretern dieser Art aus. Auch sie sind aber gar nicht häufig auf oder über Spiekeroog zu beobachten. 2009 habe ich von Februar bis Mitte März nur an 7 Tagen zwischen 1 und 41 Exemplare registriert; von Oktober bis Anfang Dezember an 8 Tagen kleinere Trupps bis zu 3.000 (30.10.). An dem Tag war allgemein starker Gänsezug.

Kurzschnabelgans (Anser brachyrhynchus): Ähnlich wie bei der Tundrasaatgans sieht es auch bei dieser Art aus, wobei mir 4 Daten vom März zwischen 1 und 42 Exemplaren vorliegen und 5 Daten vom Oktober bis Mitte November mit Maximum auch hier am 30.10. mit 2.000 Vögeln. Ein offensichtlich angeschlagenes Tier hielt sich am 10.08. im Watt auf.

Blässgans (Anser albifrons): 9 Frühjahrsdaten von Mitte Januar bis Anfang März zwischen 5 und 324 Exemplaren und 3 Daten von Ende Oktober bis Mitte Dezember; auch hier ragt der 30.10. mit 1.800 Exemplaren deutlich hervor.

Zwerggans (Anser erythropus): am 24.02. unter Graugänsen gehört und gesehen am Info-Pavillon bei der Ostplate.

Pazifische Ringelgans (Branta bernicla nigricans): am 18.10. bei einer WWZ 1 Vogel unter "normalen” Ringelgänsen.

Rostgans X Brandgans- Hybrid: Frank Schulz beobachtete 1 solches Exemplar vom Schiff aus im Watt am 8.10.

Pfeifente (Anas penelope): s. auch S. 8ff. Januar bis April in geringer Anzahl (< 50), lediglich am 25.01. auf der Ostoplate 1.919; von Mitte Juli bis Ende Dezember bis maximal 12.902 (6.11.); sehr viel weniger als 2008.

Krickente (Anas crecca): s. auch S. 8ff. Januar bis Ende April maximal 27 (26.03.); Wegzug von Mitte Juli bis Ende Dezember maximal 170 (19.10.); weniger als 2008.

Spießente (Anas acuta): s. auch S. 8ff. von Januar bis Ende März und wieder ab der dritten August-Dekade bis Ende Dezember maximal 433 am 25.01.; insgesamt etwas zahlreicher als die Jahre zuvor.

Löffelente (Anas clypeata): s. auch S. 8ff. Spärlicher Durchzügler und Gast von Januar bis April und August bis November, maximal 15 am 8.01. und 23.11.

Reiherente (Aythya fuligula): s. auch S. 8ff. Spärlicher Zug im Berichtsjahr; doch auch viele Tage mit unzureichender Fernsicht zur Zugzeit Januar bis März und Dezember, <50 pro Tag.

Bergente (Aythya marila): s. auch S. 8ff. Ähnlich Reiherente.

Trauerente (Melanitta nigra): Noch im Jahr zuvor ging ich davon aus, dass die Anzahl der weit vor der Insel rastenden Enten kaum mehr als 250 beträgt (SOB 2008). Mit Steffen Koschkar zusammen hatte ich das Erlebnis, dass sich am 17.05. der gesamte rastende Bestand aus unbekannter Ursache in die Lüfte hob. Wir schätzten die Menge auf 2.800 Exemplare. Ob nun an diesem Tage besonders viele stationär vor Ort waren oder ob immer so große Mengen dort verweilen, ist unbekannt. Von den Dünen auf der Insel aus ist es nicht möglich, einen genaueren Einblick in die Wellentäler zu erhalten. Ansonsten durch eine sichtbedingt geringere Anzahl an Tagen mit Fernsicht war auch die Menge der registrierten Vögel in diesem Jahr kleiner.

Samtente (Melanitta fusca): nur insgesamt 10 Individuen an 9 Tagen (s. Trauerente).

Schellente (Bucephala clangula): s. auch S. 8ff. Da sich die Anzahl bei dieser Art vor allem aus stationären Vögeln zusammensetzt, kann hier klar ein wesentlich geringeres Auftreten genannt werden. Das gilt sowohl für die Zeit von Januar bis in die erste März-Dekade als auch für die Zeit von Ende Oktober bis Dezember; Maximum am 25.12. mit 22 Exemplaren.

Mittelsäger (Mergus serrator): Von Mitte Februar bis Mitte April (Maximum 16.04. mit 22 Exemplaren) und von der zweiten September-Dekade bis Anfang Dezember (Maximum am 11.10. mit 104 Exemplaren; 41 Beobachtungsdaten mit insgesamt 282 Individuen.

Gänsesäger (Mergus merganser): 6 Daten mit insgesamt 18 durchziehenden Vögeln: 8.01. (1); 4.03. (12); 31.03. (1); 3.04. (2); 2.12. (1) und 20.12. (1).

Fischadler (Pandion haliaetus): Am 17.04. ließ sich ein Männchen für einige Minuten am Strand nieder, was für mich der erste rastende Vogel war, der dann ostwärts abzog. Weitere Einzeltiere am 25.04.; 20.08.; 18. und 19.10.

Wespenbussard (Pernis apivorus): Am 22.04. wie am 14.05. je 1 ostwärts ziehendes Exemplar.

Rotmilan (Milvus milvus): Am 9.05. über der Ostplate 1 westwärts strebender Vogel.

Seeadler (Haliaeetus albicilla): Der seit September 2008 auf den diversen ostfriesischen Inseln verweilende Jungvogel besuchte Spiekeroog im Berichtsjahr noch bis zum 14.01. und wurde von vielen Insulanern wie Inselgästen gesichtet.

Kornweihe (Circus cyaneus): Der Mäusereichtum auf der Insel ließ im Winter auch 1 farbberingtes Männchen überwintern, welches 2 Jahre zuvor hier nestjung beringt und immer wieder beobachtet wurde (s.S. 12).

Steppenweihe (Circus macrourus): Erstnachweis für Spiekeroog - Am 2.05.fiel uns (Christopher Brandes, Nico Ertmann) im Rahmen der Brutvogelerfassung auf der Ostplate eine Weihe auf, die ich Dank des guten Lichtes schnell als immature Steppenweihe bestimmen konnte. In den vorherigen Jahren war immer nur von potentiellen Steppenweihen gemunkelt worden.

Sperber (Accipiter nisus): Ist ganzjährig auf der Insel als Gast- und Brutvogel; kein auffallender Durchzug.

Habicht (Accipiter gentilis): nur 4 Beobachtungen: 27.03. (1 ad.); 14. und 19.11. (1 Jungvogel) und 27.12. (1 ad.); der Jungvogel war stationär an der Hermann Lietz-Schule.

Rauhfußbussard (Buteo lagopus): Einem Herbstdatum vom 27.10. mit einem die Ostplate überfliegenden Vogel stehen 24 Frühjahrsdaten bis Mitte April gegenüber mit bis zu 3 Exemplaren.

Merlin (Falco columbarius): Sehr schwach in diesem Jahr vertreten mit nur 9 Daten je 1 Vogels: 3.04.; 14.04.; 15.04.; 17.04.; 20.04.; 13.09.; 19.09.; 27.10. und 6.11.

Baumfalke (Falco subbuteo): Ebenfalls sehr rar mit je 1 Vogel: 22. und 26.04.; 27.07.; 1. und 18.09.

Wanderfalke (Falco peregrinus): Von Januar bis Ende April 11 Beobachtungen mit 12 Vögeln, von Mitte August bis Dezember ebenfalls 11 Beobachtungen mit 13 Vögeln; bevorzugt auf der Ostplate und der Sandbank im NW jagend.

Blässhuhn (Fulica atra): Am 7.01. einziger Nachweis aus meiner Zeit (seit 2006) in Form eines Totfundes am Alten Anleger.

Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta): Nach dem Abzug der Brutvögel im Herbst immer wieder rastende Vögel am Hafen : 5.10. (9); 19.10. (33); 8.12. (2).

Kiebitz (Vanellus vanellus): Am 5.01. verweilte 1 K. in den noch niedrigen neuen Dünen bei der Leegde und am 8.01. 1 weiterer im Watt. Der auf Spiekeroog nur schwache Heimzug setzte am 25.02. ein. Der Herbstzug war gar nicht festzustellen, da meist nur einzelne Vögel zu sehen waren oder kleine rastende Trupps im Watt.

Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria): Den vielen Einzelvögeln sind nur zwei nennenswerte Trupps entgegenzustellen und zwar am 12.04. einer mit 65 Exemplaren auf dem Ostergroen und am 9.08. einer mit 60 im Watt.

Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola): Die größten Ansammlungen waren im Frühjahr von Ende März bis Anfang Mai mit Maxima 26.03.

(2.950) und 9.05. (4.248).

Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus): 3 Einzelbeobachtungen mit je 1 Vogel auf der Wattseite: am 2.07.; 20.08. und 31.08.

Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus): Am 22.08. flog 1 rufendes Exemplar ostwärts.

Waldschnepfe (Scolopax rusticola): Nahezu ganzjährig einzelne Vögel; schwacher Herbstzug wegen des wohl milden Wetters, was sich dann erst mit einsetzendem Winter Ende Dezember (und vor allem später) änderte.

Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus): alle Beobachtungen von der Leegde und der Ostplate:14.03. (2); 13.09. (1); 6.10. (1); 17.10. (1)

Bekassine (Gallinago gallinago): Auffallend starker Durchzug im Sommer mit Trupps von 20 und mehr Vögeln mit maximal 32 Exemplaren am

2.08. (mit Beate Hennes-Hohemkamp).

Pfuhlschnepfe (Limosa lapponica): weniger Durchzügler als in den Jahren zuvor; Frühjahrs-Maximum am 9.05. (2.479); Herbst-Maximum

8.08. (5.122).

Regenbrachvogel (Numenius phaeopus): s. auch S. 58. Auffallend waren in diesem Jahr Ende Juli/Anfang August die Trupps bis zu 50 Exemplare in den Dünen bei der Krähenbeeren-Ernte (31.07. mit Beate Hennes-Hohenkamp 51 Vögel).

Brachvogel (Numenius arquata): Im Frühjahr bis Mitte April zahlreich als Gast; ab Juli Wegzug mit Maximum erste August-Dekade.

Dunkler Wasserläufer (Tringa erythropus): Sehr spärlich dieses Jahr von Mitte April bis Ende der ersten Mai-Dekade und wieder von der dritten August-Dekade bis Anfang November; nie mehr als 4 (19.09.) Exemplare.

Grünschenkel (Tringa nebularia): Auch diese Art spärlicher als in den Vorjahren; von der zweiten April-Dekade bis Ende zweiter Oktober-Dekade; Maximum 307 Vögel am 8.08.

Waldwasserläufer (Tringa ochropus): Zwischen dem 5. und 19.04. an 4 Tagen 9 und zwischen dem 23.07. und 5.09. an 23 Tagen 45 Vögel; 2 Daten außerhalb dieser Zeit mit ja 1 Exemplar sind der 28.02. und 24.12.

Bruchwasserläufer (Tringa glareola): Am 6. (M. Lindemann) und 14.05. je 1 B.; 30.07. (1) 2.08. (2) 3., 8. und 20.08. je 1; bevorzugt an der Leeg-de und Ostergroen.

Flussuferläufer (Actitis hypoleucos): Mitte Mai 5 Ex. (14. und 16.05.); von Ende Juli bis Mitte September 35 Exemplare mit Maximum 9.08. mit 9 Vögeln; bevorzugt in den Prielen und am Alten Anleger.

Steinwälzer (Arenaria interpres): Von Januar bis Anfang April und Juli bis Dezember regelmäßig auf der Insel an den Buhnen, dem Alten Anleger, an der NE-Spitze und am letzten Priel der Ostplate (Schutzgebiet!) mit Maximum Mitte September.

Knutt (Calidris canutus): Bei der Masse, der sich an den Zähltagen im Watt sich uns bietenden Limikolen ist es oft bei den Flächen nicht möglich, Knutts innerhalb einer dichten Menge von oftmals auch noch schlafenden Alpenstrandläufern und Kiebitzregenpfeifern herauszufi ltern. Daher sind die Angaben nach wie vor sehr vorsichtig zu betrachten. Die größte Ansammlung bestand aus 1.001 Vögeln am 27.07.

Sanderling (Calidris alba): Von Januar bis Mitte Mai und von Ende Juli bis Dezember Trupps bis zu 100 Exemplare vom Alten Anleger bis zur Ostspitze über die gesamte Strandseite.

Zwergstrandläufer (Calidris minuta): Lediglich am 21.07. ( 1 im Watt) und am 9.09. (2 am Alten Anleger).

Sichelstrandläufer (Calidris ferruginea): 8 am 21.07. und 1 am 24.08. im Watt.

Alpenstrandläufer (Calidris alpina): Ganzjährig; Maximum am 8.09. mit knapp 20.000 Exemplaren im Watt und Leegde.

Meerstrandläufer (Calidris maritima): 3 Frühjahrsdaten: 30.03. (3); 3.04. (2); 7.04. (2) und 3 Oktoberdaten: 4. (2); 5. (1) und 8. (1).

Kampfläufer (Philomachus pugnax): Wieder nur Wegzugdaten vom 24.07. (2); 5.08.(1); 19.08.(4); 7.09. (1); 8.09. (1) und 4.11. (1)

Odinshühnchen (Phalaropus lobatus): Am 7.09. auf der Ostplate mit Nico Ertmann 1 diesjähriges Exemplar.

Skua (Stercorarius skua): Sehr wenig Daten aus diesem Jahr: 11.02. (1); 6.09. (1); 23.09. (4); 24.09. (1) und 2.11. (1).

Spatelraubmöwe (Stercorarius pomerinus): Nur 3 Daten mit je 1 Vogel vom 14.09.; 24.09. und 5.10.

Schmarotzerraubmöwe (Stercorarius parasiticus): Von Mitte August bis Anfang Oktober 12 Daten mit insgesamt nur 15 Individuen.

Falkenraubmöwe (Stercorarius longicaudus): Lediglich am 5.09. 1 Vogel.

Schwalbenmöwe (Xema sabini): Je 1 adulter Vogel vor N am 10.08. und 1.10.

Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla): Nur 10 Daten : 12.01. (5); 29.03. (13); 4.05. (8); 5.09. (3); 1.10. (7); 2.10. (13); 15.10. (13); 2.12. (11) und

7.12. (3).

Raubseeschwalbe (Sterna caspia): 1 rufend über dem Ort am 15.07.

Brandseeschwalbe (Sterna sandvicensis): Diese Art ist normalerweise die ganze Sommerzeit über zahlreich fischend und rastend den ganzen Strand entlang regelmäßig und häufig zu sehen. Besonders letzteres war im Berichtsjahr gar nicht der Fall. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, wieso im Herbst so wenig Raubmöwen zu beobachten waren, die bevorzugt bei dieser Seeschwalbenart parasitieren. EB bereits am 29.03.

Flussseeschwalbe (Sterna hirundo): EB 11.04., LB 11.10.; auch diese Art nur schwach vertreten.

Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea): EB 24.04., sehr schwach vertreten in diesem Jahr.

Zwergseeschwalbe (Sterna albifrons): EB 24.04., LB 8.09.

Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger): Im Frühjahr nur am 30.04. (1) und 6.05. (5); Wegzug zwischen 11.07. und 25.09. mit 18 Daten und 185 Exemplaren mit Schwerpunkt Mitte April.

Trottellumme (Uria aalge): Neben einigen Totfunden (besonders im Herbst) folgende Beobachtungen von der Insel aus vor N mit jeweils 1 Vogel: 16.03.; 29.03.; 8.04.; 5.09.; 6.09.; 30.09.; 1.12.; 12. und 13.12.

Tordalk (Alca torda): Nur ein gesichertes Datum vom 30.09. mit 1 vorbeifl iegenden Tordalk.

Gryllteiste (Cepphus grylle): Ebenfalls eine Beobachtung vor N mit 1 Vogel im Winterkleid vom 1.12.

Hohltaube (Columba oenas): EB 20.01., LB 24.11.

Türkentaube (Streptopelia decaocto): Sehr wenig Beobachtungen und geringe Anzahl: 24.01. (1); 7.04. (4); 14.04. (1); 20.04. (1); 10.05. (1);

19.05. (1); 24.08. (1) und 31.10.

Kuckuck (Cuculus canorus): Zwischen 26.04. und 25.06. an 8 Tagen Einzelvögel; kein Brutverdacht; 1 westwärts fliegender Vogel am

14.08.

Waldohreule (Asio otus): Von Januar bis März und von November bis Jahresende eine Schlafgesellschaft bis zu 3 Exemplare in einer Kiefer am Umweltzentrum.

Sumpfohreule (Asio flammeus): Ganzjährig zugegen; außerhalb der Brutzeit gerne in den Vordünen in Höhe des Quellerdünenheims zu sehen mit Ansammlungen bis zu 6 Exemplare (19.11.).

Mauersegler (Apus apus): EB 11.05., LB 14.09.; stäkerer Wegzug am 6. und 7. 08. mit zusammen 310 Vögel.

Wendehals (Jynx torquilla): Am 21. und 22.04. je 1 Exemplar in der Nähe des Ev. Jugendhofes.

Buntspecht (Dendrocopos major): Obwohl bis Mitte April Buntspechte an geeigneten Plätzen beobachtet und gehört und frische vollständige Bruthöhlen gefunden wurden (Osteranplantung), erfüllte sich nicht die Hoffnung auf eine Brut. Das ließ in mir sogar den Verdacht aufkommen, dass der von Meyer-Deepen angegebene Brutnachweis aus dem letzten Jahrhundert angezweifelt werden muss. Das ist leider heute nicht mehr zu klären. Ab 28.10. bis 7.12. vereinzelt Einzelvögel gehört oder gesehen (9 Daten).

Heidelerche (Lullula arborea): Wie in jedem Jahr wenige Daten durchziehender H., im Frühjahr (3), im Herbst (2): 1.03. (4); 13.03. (4); 29.03.

(1) 27.10 (1) und am 3.11. (2).

Feldlerche (Alauda arvensis): Ganzjährig auf der Insel; stärkere Zugtage im Frühjahr am 1.03. mit 150, im Herbst am 6.10. (200).

Ohrenlerche (Eremophila alpestris): Von Januar bis 2.04. 16 Daten mit 227 und vom 8.10. bis Ende Dezember 17 Daten mit 135 Exemplaren.

Uferschwalbe (Riparia riparia): Fünf Heimzugdaten: 10.04. (1) 29.04. (1); 13.05. (1); 14.05. (25) und 6.06. (1).

Rauchschwalbe (Hirundo rustica): EB 3.04., LB 30.09.; nur schwacher Durchzug.

Mehlschwalbe (Delicheon urbica): EB 15.04., LB 8.09.

Bachstelze (Motacilla alba): EB 1.03., LB 10.11.

Schafstelze (Motacilla flava): EB 29.03., LB 20.09.; in diesem Jahr nur M.f.flava und M.f.thunbergi, wobei letztere überwog.

Gebirgsstelze (Motacilla cinerea): Sehr schwaches Auftreten mit nur drei Daten, alle von Anfang Oktober: 5. (1); 6. (2) und 8. (1).

Spornpieper (Anthus richardi): Am 3.11. bei der Ostplate 1 S.

Brachpieper (Anthus campestris): Bereits am 10.04. bei der Leegde 1 Vogel in den Salzwiesen (mit Beate Hennes-Hohenkamp).

Baumpieper (Anthus trivialis): An auffallend vielen Tagen Durchzug, aber mit meist nur wenigen Exemplaren, lediglich in der zweiten Aprilhälfte höhere Tagesmengen.

Rotkehlpieper (Anthus cervinus): Sechs Daten, davon zwei auf dem Heimzug: 20.04. (2); 3.05. (1); Wegzug am 15.09. (1); 18.09. (1); 21.09.

(1) und 25.09. (2).

Strandpieper (Anthus petrosus): Im Frühjahr bis Ende März; im Herbst ab der dritten September-Dekade; die rastenden Vögel sind eigentlich ausschließlich auf der Südseite der Insel und kaum am Strand, wie der Name vermuten ließe sondern in den Salzwiesen.

Bergpieper (Anthus spinoletta): Erstnachweis für Spiekeroog - Am 8.10. fielen mir auf einer der Buhnen im Westen der Insel sofort beim Auffliegen eines "Strandpiepers" die weißen Schwanzkanten und die Flügelbinden auf. Wie oft diese Art sonst schon übersehen wurde, ist natürlich unklar; aber ich denke, dass sich schon häufiger B. hierher verfliegen.

Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapillus): Jochen Dierschke sah am 14. 10. anlässlich der Zugvogeltage 1 S., die erstaunlich selten hier gesehen werden. Am 4.12. konnte ich ebenfalls 1 Vogel am Süderloog photographieren.

Heckenbraunelle (Prunella modularis): EB 1.03., LB 20.12.

Ringdrossel (Turdus torquatus): Vom 6.-29.04. insgesamt 31 Exemplare gegenüber nur 1 Vogel vom 21.09.

Wacholderdrossel (Turdus pilaris): Bis zur dritten April-Dekade und von Mitte Oktober bis Jahresende; besonders auf dem Wegzug ein ausgesprochenes "Wacholderdrossel-Jahr".

Rotdrossel (Turdus iliacus): Von Januar bis in die letzte April-Dekade und vom Oktober bis Jahresende; auch hier auffallend heftiger Zug im Herbst (29.10. mit 1.500 Individuen).

Singdrossel (Turdus philomelos): EB 23.02., LB 19.11.; gesondert sind die beiden Daten mit je 1 Exemplar am 21.01. und am 3.12. zu bewerten.

Misteldrossel (Turdus viscivorus): Zehn Daten insgesamt: 8.01. (1); 1.03. (12); 14.03. (1); 26.03. (1); 5.04. (2); 7.04. (3); 10.04. (2); 20.10. (2); 14.11. (3) und 4.12. (1).

Feldschwirl (Locustella naevia): EB 14.04.

Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus): EB 30.04., LB 16.07.

Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus): EB 16.05., LB 2.08.

Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris): Nur zwei Beobachtungen vom Heimzug mit je 1 singenden Vogel: 22.04. (sehr früh) und 13.05.

Gelbspötter (Hippolais icterina): EB 16.05.

Fitis (Phylloscopus trochilus): EB 8.04., LB 15.10.

Zilpzalp (Phylloscopus collybita): EB 9.03., LB 12.12.

Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix): Nur am 16. (1) und 17. 05. (2) sing. im Kurpark, bzw. Osteranplantung.

Gelbbrauenlaubsänger (Phylloscopus inornatus): Obwohl die Art im Herbst von vielen Orten z.T. in zweistelliger Mengenangabe gemeldet wurde, habe ich sie lediglich am 5.10. (2) und am 4.11. (1) festgestellt.

Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla): EB 5.04., LB 11.10. Ein Männchen wurde mir noch vom 4.12. am Süderloog gemeldet (Christoph Buff-Carl). Dort sah ich dann auch am 7.12. ein altes Männchen, welches danach aber dem Winterwetter wich.

Gartengrasmücke (Sylvia borin): EB 22.04., LB 5.10.

Dorngrasmücke (Sylvia communis): EB 15.04. (!), LB 20.08.

Klappergrasmücke (Sylvia curruca): EB 15.04., LB 20.09.

Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca): EB 6.05., LB 13.09.

Nachtigall (Luscinia megarhynchos): Nur 1 Vogel beim Haus Wolfgang (Tranpad) "schnarren" gehört am 18.05.

Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros): EB 30.03., LB 8.10.

Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus): Drei Frühjahrsdaten mit je 1 Vogel (25. und 30.4.; 3.05.) und fünf Septemberdaten: 10. (1);

13. (1); 15 (1); 16. (2) und 17. (1).

Braunkehlchen (Saxicola rubetra): Ausgesprochen schwaches Auftreten mit 2 Mai- Daten vom 8. (2) und 13. (1), denen zehn Sommerdaten gegenüberstehen: 13.08. (2); 1.09. (1); 8.09. (3); 9.09. (2) und 10.09. (8).

Schwarzkehlchen (Saxicola torquata): Fünf Frühjahrsdaten mit je 1 Vogel: 16.; 18. und 20.03.; 10. und 21.04.; im Herbst 2 am 25.09. und 1 am 18.10.

Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe): EB 7.04., LB 20.10.; sehr wenige Bebachtungen zwischen dem 7.04. und 16.05. und wieder zwischen

11.08. und 20.10.

Schwanzmeise (Aegithalos caudatus): Von Januar bis Ende März zahlreiche Bebachtungen verschiedener Trupps; Wegzugdaten nur vier vom

20.11. (11); 1.12. (6); 24.12. (2) und 26.12. (3).

Tannenmeise (Parus ater): Ganz schwach im Frühjahr; am 3.02. (2);

11. und 13.03. (je 1) und am 8.04. (1); gar keine Herbstdaten.

Waldbaumläufer (Certhia familiaris): Seit 2006 hatte ich bislang ausschließlich Gartenbaumläufer. Diesen Herbst sah ich im Kurpark an drei Tagen je 1 W.: am 20.11.; 11 und 24. 12.

Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla): Ebenfalls drei Daten: am 21.03. (2); 22,03. (1) und am 27.11. (1); alle Bebachtungen aus dem Kurpark.

Pirol (Oriolus oriolus): Ein fleißig singender Vogel machte am 30.05. aus dem "Raucherwäldchen" nahe der Hermann Lietz-Schule auf sich aufmerksam.

Raubwürger (Lanius senator): Am 3. und 6.05. je 1 Vogel zwischen Islandhof und Laramie.

Tahaweber (Euplectes afer): Erstnachweis für Spiekeroog - Am 25.09. meldeten mir Korinna Kochinke und Uwe Speck einen gelbschwarzen Körnerfresser aus dem Hafengelände. Ein Photo brachten sie gleich mit. Das Bild zeigte einen Webervogel, einen Tahaweber, der bis zum 30.09. dort von vielen Passanten bestaunt werden konnte. Der Vogel ist beliebter Volieren- und Käfigvogel und ist sicher aus der Gefangenschaft entflogen (eventuell auch von einem Schiff). Sein Fluchtverhalten war dennoch recht groß.

Feldsperling (Passer montanus): Nur am 6.04. an den Richelwiesen 3 und am 20.10 im Ort 2 Exemplare.

Bergfink (Fringilla montifringilla): Schwaches Auftreten zwischen dem 13.03. und 26.04. (nie mehr als 5 Vögel pro Tag) und 20.09. und Ende Dezember (nie mehr als 15).

Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra): Zwei Märzdaten (insgesamt 12 Exemplare); vier Aprildaten (14) und 2 Junidaten (2); von Juli an dann zahlreicher: Juli = 81; August = 31; September = 34 und Oktober = 2; fast alle hielten sich in Fichten im Gartenweg auf.

Birkenzeisig (Carduelis flammea): Das ganze Jahr über fast nur Einzelvögel oder zu zweit; lediglich am 1. und 18.03 Trupps von je 15.

Erlenzeisig (Carduelis spinus): Auch bei dieser Art schwacher Durchzug; ein einziger nennenswerter Trupp am 30.11. mit etwa 70 Vögeln.

Stieglitz (Carduelis carduelis): Von Ende Januar bis Ende März zehn Bebachtungen mit 1, höchstens 2 Vögeln; im Herbst nur am 5.10. und

11.11. je 1 S.

Berghänfling (Carduelis flavirostris): Von Januar bis Ende März zehn Beobachtungen mit 1 - 70 Vögeln und wieder von Ende Oktober bis Jahresende Trupps bis zu 90 Individuen in den Salzwiesen an den Strandastern oder dort am Spülsaum.

Bluthänfling (Carduelis cannabina): EB 7.03., LB 29.10.

Girlitz (Serinus serinus): Lediglich am 10.06. 1 über den Dünen fliegender G.

Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes): Immer wieder mal, wenn auch selten, zu Gast im Kurpark wie am 31.03. (1); 16.04. (1); 17.05. (3) und 18.05. (1).

Goldammer (Emberiza citrinella): Drei Frühjahrsdaten von Einzelvögeln (19.3.; 24.03. und 3.04.) sowie vier Herbstdaten vom 18.10. (5); 27.10. 1); 29.10. (1) und 2.11. (2); meist sind G. am Alten Müllplatz oder nur überfliegend zu sehen.

Ortolan (Emberiza hortulana): Steffen Koschkar meldete vom 18.05. 3 Exemplare bei der Osteranplantung.

Spornammer (Calcarius lapponicus): Am 16.01. (2) in den Vordünen an der Leegde; 24.01. (1) Leegde; 26.01. (1) am Strand beim Sturmeck; 29

03. (1) über den Dünen und 2.11. (1) über dem N-Strand.

Schneeammer (Plectrophenax nivalis): Januar bis März 1-35 Exemplare; 20.09. bis Jahresende bis zu 100 überwiegend am Spülsaum des Strandes.


 

KURZBERICHTE

1. Zugvogeltage im Nationalpark NiedersächsischesWattenmeer

Herbst im Wattenmeer: Millionen von Brutvögeln aus der arktischen Tundra, aus Nordeuropa und dem Baltikum treffen ein, um hier zu rasten und sich fit zu machen für den Weiterflug in ihre Überwinterungsgebiete in Südeuropa und Afrika.

Erstmals fanden nun vom 10. bis 18. Oktober 2009 im gesamten Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer die Zugvogeltage statt, zu denen der Nationalpark und seine Partner mit vielfältigem Programm einluden. Auch das Umweltzentrum Wittbülten auf Spiekeroog hat sich daran beteiligt.

Schon im Vorfeld wurden von einer Vielzahl der jungen Spiekerooger und von Gästekindern zum Teil beeindruckende Bilder für die Malaktion "Kinder malen Zugvögel" gemalt und eingereicht. Zum Programm der Zugvogeltage gehörte dann das tägliche Seawatching mit Edgar Schonart, welches auf großes Interesse stieß. An drei Tagen gab es jeweils Exkursion und Vortrag. Dabei wurden unter fachkundiger Exkursionsleitung verschiedene Futter- und Rastplätze besucht. Zudem gab es spannende Vorträge von Prof. Dr. Hans-Heiner Bergmann, Dr. Jochen Dierschke sowie von Sven Achtermann. Außerdem wurden bei einer Spülsaumwanderung Federn gesammelt, die im Anschluss unter Leitung von Hans-Heiner Bergmann sortiert und ihrer Funktion zugeordnet wurden. Insgesamt beeinflusste das zum Teil zu gute oder zu schlechte Wetter sowohl die TeilnehmerInnenzahl als auch die zu beobachtende Menge an Zugvögeln bei den verschiedenen Veranstaltungen. So ist das wohl im Herbst ....

Fest steht: auch in 2010 wird das Wittbülten wieder "mitziehen", und zwischen dem 09.10.2010 - 17.10.2010 ein buntes Programm anbieten. Infos werden im Vorfeld zu finden sein unter

Wir freuen uns auf rege Beteiligung!

Swaantje Fock, Leiterin Umweltzentrum Wittbülten


 

2. Regenbrachvogel (Numenius phaeopus) verzehrt Krähenbeeren (Empetrum nigrum)

Allein der Name Krähenbeere deutet zumindest an, dass die ab Juli reifen Früchte von Vögeln als Nahrung aufgenommen werden. Dabei ist das bei Krähen, Fasanen, Tauben leicht vorstellbar. Überrascht aber war ich, immer wieder Trupps von 30-50 Regenbrachvögeln in den Dünen zu sehen (nie aber ausserhalb der Brutzeit Gr. Brachvögel).

Am 30.07. beoachtete ich mit Beate Hennes-Hohenkamp einen solchen Trupp von 50 Vögeln, wie er in den Krähenbeeren die Früchte erntete und verschluckte. Dieses Bild änderte sich auch nicht in den nächsten Tagen. Erst Mitte August wurden seltener Regenbrachvögel in den Dünen beobachtetet, wobei zu der Zeit auch die Anzahl von Durchzüglern geringer wurde.

Beim Studium der Literatur zeigte sich, dass der Umstand durchaus beschrieben, den meisten aber völlig unbekannt ist. Verwunderlich bleibt aber dennoch die Aufnahme von Beeren bei derart extrem geformten Schnabelformen und das zu einer Zeit, in der das Watt voller tierischer Nahrung steckt.

Literatur:

Glutz von Blotzheim, Urs N.: Handbuch der Vögel Mitteleuropas (1985), AULA Verlags GmbH

Regenbrachvögel in Krähenbeerenbestand Foto: Edgar Schonart

 

 

 

 

 

 

 


 

3. Mehlschwalben (Delichon urbica) brüten auf Spiekeroog-Fähren

Ausgefallene Neststandorte bei Vögeln sind immer wieder beschrieben worden. Darunter fallen auch Nester auf diversen Fahrzeugen unterschiedlichster Art im Einsatz. So ist mir noch aus bereits den fünfziger Jahren ein Bericht aus den "Ornithologischen Mitteilungen" im Gedächtnis, wo ein Hausrotschwanz sein Nest auf einem Güterwagen bezog. Damals war bei der Bundesbahn der Kunde noch König, so dass dieser Waggon bis nach der Brut auf einem Abstellgleis untergebracht wurde.

Mir sind jetzt weitere Fälle von Spiekeroog bekannt geworden, bei denen Mehlschwalben auf den beiden Fähren zwischen Neuharlingersiel und Spiekeroog mehrere Nester gebaut haben. Die Nester befanden sich am Anker vorn am Bug und unter dem Dachvorsprung des Fahrhauses. Das Ankernest wurde wohl immer wieder durch die Bugwellen bei erhöhtem Seegang weggespült. Wieso die Nester des Fahrhauses, die an den Suchlampen des Fahrhauses angebracht waren, immer wieder fehlten, habe ich nicht herausbekommen. Ich vermute, dass es Beschwerden seitens der Fahrgäste wegen des Kots gab. Das wurde mir zwar auf Anfrage hin nicht bestätigt, scheint mir aber dennoch der Grund zu sein. 2008 jedoch blieb zumindest auf der "SPIEKEROOG I" 1 Paar erfolgreich.

Jochen Dierschke schickte mir dankenswerterweise zwei Quellen, die des Ornithologen Eddie Chapman (echapman(@t)online.no) aus Norwegen und des estischen Kollegen Tinus Haitjema (t.haitjema(@t)gmail. com), die ebenfalls an Fähren brütende Mehlschwalben z.T. seit Jahren registriert hatten. Dabei wurden maximal 22,5 km zurückgelegt. Im Falle Spiekeroog beträgt die Fahrstrecke etwa 7 km. Nach Fertigstellung des Manuskriptes berichtete Josef Gulden, dass am oberbayerischen Chiemsee über viele Jahre Rauchschwalben unter dem Radkasten eines Raddampfers erfolgreich genistet haben und dem Schiff dabei immer bei seiner Rundfahrt über den ganzen See nachflogen (insgesamt über 30 km, s. Lohmann, M., 1999: Die Vögel des Chiemgaus - Avifauna des Chiemsees und seines Umlandes, Unveröff. Hektrograph).


Literatur

  1. Großkopf, G., 1989: Die Vogelwelt von Wangerooge. Heinz Holzberg Verlag, Oldenburg.
  2. Großkopf, G., 1968: Die Vögel der Insel Wangerooge, C.L.Mettcker, Jever.
  3. Leege, Otto, 1905: Die Vögel der friesischen Inseln. Fauna Verlag, Nottuln 2007 (Reprint).
  4. Meyer-Deepen, J. & M.P.D. Meijering, 1979: Spiekeroog,Naturkunde einer ostfriesischen Insel. Verlag KV Nordseebad Spiekeroog.
  5. Major, G. & G. Nanninga,1975: Blaumerle (Monticola solitarius), Linne 1758, als Irrgast auf der Norseeinsel Spiekeroog. Mitteilungsblatt der OAO.
  6. OVO: Vogelkundliche Jahresberichte aus Ostfriesland 2000-2002.
  7. Plaisier, F., 1983: Die Vögel Langeoogs - Untersuchungen zur Avifauna einer küstennahen Düneninsel. Drosera `83: 21-48.
  8. Röller, O. & F. Schlesiger, 2005. Blühende Wildnis Spiekeroog. Verlag Hermann Lietz-Schule, Spiekeroog.
  9. Schopf, R., 1979: Die Vogelinsel Memmert im Wattenmeer. H.Soltau, Norden
  10. Südbeck, P. et al., 2005: Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Mugler Druck-Service, Hohenstein-Ernstthal.
  11. Temme, M., 1995: Die Vögel der Insel Norderney. Verein Jordsand e.V.